Towandas Turbulenzen

Bau, Macs und der ganze Rest


Zwiebelkuchen und eine Theorie von Towanda-Mama

Kategorie: culinaria — towanda am Freitag, 30. September 2005

Die ganze Woche treibt es mich schon herum — das Verlangen nach Zwiebelkuchen und Federweißen.

Ich mag Zwiebelkuchen, weil er eines der wenigen Gerichte der gutbürgerlichen Küche ist, die mir als Vegetarier genehm sind. Grünkohl mit Pinkel, Rührei mit Speck, Hackbraten… alles Rezepte, die ich wegen ihrer Einfachheit und Verwendung regionaler Zutaten grundsätzlich anbetungswürdig finde, aber nie selbst esse.

Bei den hiesigen traditionellen Saisongerichten bleiben mir nur Spargel, diverse Suppen, Kartoffeln mit Quark und… Zwiebelkuchen.

Leider war ich diese Woche krankheitsbedingt etwas indisponiert, so daß ich mich der Herausforderung des Zwiebelkuchenherstellens nicht gewachsen sah.

Aber nun ist erstens Wochenende, zweitens langes Wochenende, drittens hab ich nächste Woche auch noch Urlaub, viertens geht es mir (nicht zuletzt angesichts der folgenden freien Tage) wieder besser und fünftens sehe ich nichts, was Zwiebelkuchen und Federweißem entgegenstehen würde.

Also, wohlan ans Werk! Zwiebelkuchen hat eine lange Tradition bei mir. So kam es beispielsweise, daß ich anno neunzehnhundertvormkrieg im Herbst 2000 ein Blech und eine runde Backform voll Zwiebelkuchen per Zug nach München zu einem Chattertreffen schleppte. Nebst einer frisch operierten Hand (Karpaltunnelsyndrom), der am Vormittag erst die Fäden gezogen wurden.

Warum wir so einen Unfug machten das so war, kann ich dem kritisch hinterfragenden Leser heute nicht mehr erklären. Wir waren jung und brauchten das Geld wollten das so. Punkt.

Aber nun weg von historischen und längst gegessenen Zwiebelkuchen und hin zum heutigen. Natürlich gibt sich Towanda nicht mit Kleinkram zufrieden, sondern macht ganze Sachen und streckt ihr Kuchenform-Rezept auf ein komplettes Blech (i. e. Normalrezept mal 2,5).

Womit wir bei folgendem wären:

Für den Boden: 500g Mehl Type 405 (wer will und hat, kann 100-200g davon mit was Vollkornigem ersetzen) 250g kalte Butter, in Stücke geschnitten 3 Eier 1 Teelöffel Salz verkneten. (Geht von Hand, allerdings hat bMwg zu den Knethaken des Rührgeräts gegriffen)

Für den Belag: 2-3 Pfund Zwiebeln in der Pfanne mit etwas Öl goldbraun anbraten. 1 Päckchen Frischkäse 1 Becher saure Sahne 1 Becher Schmand 200ml Sahne 5 Eier 100-150g fein geriebenen Käse (Gouda, Maasdammer, Edamer, whatever) mit dem Schneebesen verquirlen und mit Salz, Pfeffer, Paprika, einer Spur Chili und etwas Muskat (natürlich frisch von der Nuß gerieben — die Nüsse halten sich ewig, eine Muskatreibe braucht kaum Platz, und zwischen dem fertigen Muskatkram und frisch geriebenem Muskat liegen Welten!) abschmecken.

Den Teig auf bemehlter Arbeitsfläche mit dem Nudelholz auf gut einen halben Zentimeter Dicke auswellen und aufs Blech verteilen. Keine Scheu — man kann ihn auch partiell auswellen und die Stücke dann aneinanderdrücken. Rand stehen lassen und mit der Gabel mehrmals anstechen, damit der Teig später nicht hochsteigt.

Teig vom Zwiebelkuchen

Dann die Zwiebeln drauf verteilen:

Teig vom Zwiebelkuchen mit Zwiebeln drauf

Und schließlich die Sahne-Käse-Eimasse darübergeben:

Der Teig vom Zwiebelkuchen mit Zwiebeln und Sauce drauf

Der Plan sieht nun eigentlich vor, daß man das Blech bei 200°C für 30-40 Minuten im Ofen parkt, bis alles goldbraun ist.

Was ich auch tat, doch ich stieß auf ein ernstes Problem:

noch teig da...

Sowohl vom Teig, als auch von der Eiermasse war noch einiges übrig. Nicht so viel, daß ich eine Kuchenspringform damit füllen könnte. Aber genug, um mich in wildes Gejammere ausbrechen zu lassen, daß man das doch nicht wegwerfen könne. In Afrika hungern die Kinder und überhaupt.

Wir befinden uns hier genau an dem Punkt, den meine Mutter einmal treffend als das “Ärpfl-Hering-Problem” beschrieb. “Ärpfl”, vulgo Erdäpfel, nennt man in meiner Heimat die Kartoffeln. Und das Ärpfl-Hering-Problem geht so:

Traditionell beim Essen zu Heilig-Drei-König (6. Januar) gibt es bei uns Pellkartoffeln und in Sahne eingelegte Heringe. Von beidem nimmt man sich, und zwar reichlich, und ißt munter und zufrieden vor sich hin.

Irgendwann ist man an dem Punkt, daß auf dem Teller entweder die Heringe leer sind oder die Kartoffeln. Vom Fehlenden nimmt man sich nach, auf daß nicht die verbliebenen Heringe (oder die Kartoffeln) alleine und verlassen auf dem Teller bleiben. Ganz sicher nimmt man sich aber nie passend, sondern immer so, daß entweder wieder Kartoffeln oder eben Heringe auf dem Teller zurückbleiben.

Ab hier tritt man in einen Loop ein, der normalerweise mit einem “Uffz-was-hab-ich-mich-überfressen!”-Seufzer beendet wird. Das ist das Ärpfl-Hering-Problem.

Und vor einer Abart desselben stand ich heute.

“Wie schade, daß ich keine kleine Kuchenform besitze”, klagte ich dem Manne. Im selben Moment formte sich vor meinem geistigen Auge eine Vision: Muffins sind doch kleine Kuchen, oder? Und was kleine Kuchen kann, kann auch kleine Zwiebelkuchen.

So füllte ich die Muffinform am Boden und an den Rändern mit Teig, gab noch drei Zwiebeln in die Pfanne und später in die Formen und Sauce drauf.

Und siehe da, das Experiment scheint geglückt:

zwiebelkuchenmuffins

Jetzt hätte ich nur noch etwas Sauce übrig…

2 Comments »

Kommentar von Anne:

Hach ja, das waren noch Zeiten…und jetzt habe ich Heißhunger auf Zwiebelkuchen, menno! ;-) ) Das Rezept muß ich demnächst auch mal ausprobieren.

30.09.2005 um 23:47 |

Pingback von Towandas Turbulenzen » Halbzeitrezepte #2: Curry mit irgendwas (und mit Reis):

[…] 8212; towanda @ 09:10

Ich schulde euch noch ein Halbzeitrezept (nein, der Zwiebelkuchen zählt nicht, denn den schafft man nicht in 15 […]

4.10.2005 um 09:13 |

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