Towandas Turbulenzen

Bau, Macs und der ganze Rest


Wie der Vegetarier zum Fisch kam (und eine Buchempfehlung) - Teil II

Kategorie: der ganze rest — towanda am Dienstag, 28. Februar 2006

Im ersten Teil schrub ich, wie ich Vegetarierin wurde. Ab jetzt kommt der Fisch ins Spiel. Und die Buchempfehlung. Vielleicht.

Und wie kommt der Vegetarier auf den Fisch?

Ich habe mir nie etwas “verkniffen”: Es gab kein Schnitzel, kein Brathähnchen, das mich lockte und das ich wegen moralischer Bedenken zähneknirschend verschmäht hätte. (Bis auf eine Situation ganz am Anfang meiner vegetarischen Zeit, wo ich gerne die Haut eines Brathähnchens gehabt hätte. Nicht das Fleisch, nur die Haut. Hatte sich erledigt, als ich herausgefunden hatte, wie man andere Dinge ähnlich kross und knackig braten kann.)

Jahrelang habe ich nichts vermißt, entdeckte fröhlich und erstaunt die Welt des Kochens und der Geschmäcker und war glücklich.

Doch irgendwann, es muß zwischen 1997 und 1999 gewesen sein (die Situation ist für mich gedanklich an eine Wohnung geknüpft, deshalb kann ich es so eingrenzen), begann ich einen Heißhunger auf Fisch zu entwickeln.

Heißhunger auf Fisch 24/7

Jawoll, Heißhunger. Nicht nur Appetit und so ein zaghaftes “Och, ich könnt ja mal…”. Sondern richtige Geilheit, brachialen Superschmacht: Tagsüber dachte ich an Fisch, wie er sich anfühlt, wie die Augen mich angucken. Nachts träumte ich von Fisch, zubereitet auf einem Gemüsebett oder auch geräuchert.

Mein Opa hatte eine Forellenzucht, und daher hatte ich auch eine genaue Vorstellung davon, wie Fische geangelt, getötet und anschließend ausgenommen und für den Verzehr zubereitet werden.

Keine wirklich nette Sache, um damit die Nacht zu verbringen. Aber ich träumte sie in dem Bewußtsein, daß all diese Schritte nötig sind, um zu dem zu kommen, was ich möchte: Ein perfektes Filet in der Pfanne, die geräucherte oder gebratene Forelle, der man das köstliche Fleisch von den Gräten kratzt.

Ich träumte sogar, daß ich diese ganzen Schritte selbst ausführe: Angeln, mit der gespannten Erwartung, ob der Fisch anbeißt. Den zappelnden Fisch vom Haken nehmen, ihn mit dem Hammerstiel betäuben. Ihn töten, ihm den Bauch aufschlitzen, die Innereien herausnehmen und ihn vorbereiten für Forelle blau, Forelle geräuchert, Forelle Müllerin.

Keine angenehmen Träume für eine Vegetarierin. Sie machten mir Angst.

Doch ich bin der festen Überzeugung, daß der Körper sich immer das holt, was er braucht. Mit aller Macht, ohne sich von irgendetwas bremsen zu lassen.

Und nachdem sich diese Träume — zwar nicht in dieser Intensität, aber zumindest mit dem Part vom fertigen Filet auf dem Teller — über ein halbes Jahr lang auch tagsüber wiederholten, war der nächste Schritt nur logisch:

Mein erster Fisch nach über… tja, wie viel eigentlich? Ich vermute, fünf bis sieben Jahren.

Towanda ißt Fisch und schockiert ihre Umwelt.

Meinen ersten Fisch seit all dieser Zeit aß ich zum Wiesenfest neunzehnhundert… irgendwann vor der Jahrtausendwende. Es war Wiesenfestsonntag, und wir hatten am Abend davor übelst gefeiert, wie es eben so üblich ist.

Genauso üblich ist es zum Wiesenfest, daß man den Festzug am Sonntagmittag in Begleitung von Familienanschluß an sich vorbeidefilieren läßt und sich dann um spätestens 14 Uhr die erste Maß Bier von Vaddern spendieren läßt. Pflichttermin, trotz Bumskopf und offensichtlicher Verkaterung — Wer Schwäche zeigt, verliert.

Tapfer und offensichtlich restalkoholisiert vom letzten Abend wies ich Vater also an, die erste Maß schon mal zu bestellen. Ich wollte noch eine Runde um die Freßbuden drehen, um mir eine Grundlage zu jagen.

Ich weiß nicht, welches Teufelchen mich damals ritt, an der Fischbude vorbeizugehen und ein Matjesbrötchen zu kaufen. Doch ich weiß noch genau, wie mein Vater guckte, als ich von meiner Jagd zurückkam. Der verwirrte Blick auf mein Brötchen sagte ganz klar: “Mein Gott, die Kleine ist so dicht, die hat Fisch auf dem Brötchen und merkt es nicht!”

Doch, Papa, sie merkte es: Den dezenten Hinweis meines Vaters, daß das Fisch sei, beantwortete ich mit einem grinsenden “Ich weiß…” und einem Biß in mein Brötchen.

Genießerisch und glücklich, denn mein Brötchen enthielt den leckersten Belag, den ich je in meinem Leben auf einem Brötchen hatte.

Zur Moral von der Geschicht und zur Buchbesprechung komme ich wohl erst im dritten Teil… Habt Geduld!

1 Kommentar »

Pingback von Towandas Turbulenzen » Wie der Vegetarier zum Fisch kam (und eine Buchempfehlung) - Teil III:

[…] #8212; towanda @ 20:35

(zu Teil I, in dem Towanda Vegetarierin wird und zu Teil II, wo Towanda wieder Fisch ißt) Nat […]

9.03.2006 um 20:49 |

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