Wie der Vegetarier zum Fisch kam (und eine Buchempfehlung) - Teil I
In den Kommentaren will man wissen, warum eine Vegetarierin plötzlich Fischrezepte postet. Und ich habe gerade ein sehr interessantes Buch ausgelesen.
Das läßt sich glatt verbinden, aber ich muß wohl etwas weiter ausholen…
Wie wurde Towanda eigentlich Vegetarierin?
Der Kalender zeigte Neunzehnhundertirgendwas (91? 92?). Eine politisch engagierte 15- oder 16jährige saß am Fernseher und sah (pikanterweise) “Live aus dem Schlachthof” (vorher “Live aus dem Alabama”, später “Live aus dem Nachtwerk”).
Dort ging es um Massentierhaltung, Tiertransporte und die ganze Malaise.
Das setzte bei der bisher wohlbehüteten und von Towanda-Mama bekochten Towanda einige Rädchen in Gang: Warum nimmt sich der Mensch eigentlich heraus, andere Geschöpfe so zu behandeln? Muß er denn überhaupt andere Geschöpfe für seine Ernährung töten? Oder geht das auch anders?
Klein-Towanda startete einen Versuch: Stolz teilte sie Towanda-Mama mit, daß sie von nun an gedachte, kein Fleisch mehr zu essen. Towanda-Mama entgegnete, das sei ihr egal, doch sie wollte wegen ihrer Tochter keine kochtechnischen Extravaganzen durchführen.
Im Klartext also: Towanda-Mama kocht wie bisher, legt Towanda gerne mal ein paar blanke Nudeln oder Reis zur Seite — aber um die Sauce hat sich das Blag mit seinen seltsamen Anwandlungen gefälligst selbst zu kümmern.
Und wie geht es Towanda so als frischgebackene Vegetarierin?
Der Grundstock für meinen experimentierfreudigen Umgang mit der Küche und allen fleischlosen Kühlschrankinhalten wurde genau an dieser Stelle gelegt: Nach einer Phase als “Puddingvegetarier” (alles, Hauptsache, es ist kein Fleisch drin) wurde ich richtig kreativ: Mein “Chili sin Carne”, nach welchem meine Mutter heute noch lechzt, hat in dieser Zeit seinen Ursprung.
Ich las mich — damals noch ohne Internet, sondern mit Rezepten aus Zeitung, Büchern und Videotext — in die wunderbare Welt der Nahrungszubereitung ein. Ich experimentierte, probierte, lernte und produzierte neben vielen konfusen Kreationen auch einige Rezepte, die ich auch heute noch verwende (Gemüselasagne, vegetarische Burger, zig Pastasaucen…).
Gute Chance — welche 16jährige muß sich schon selbst um das Essen kümmern? You live, you learn.
Aber die anderen essen Fleisch — wie ist das?
War (und ist) mir piepegal. Viel egaler, als die meisten glauben. An dieser Stelle sei auf einen Text verwiesen, den ich 2001 verfaßt habe. Ich will und wollte nie zum Vegetarismus missionieren. Mein Essen ist meine Sache, Dein Essen ist Deine Sache. So einfach ist das.
Mit meinen Eltern, mit den Leuten also, mit denen ich größtenteils den Tisch teilte, habe ich eine friedliche Koexistenz ausgehandelt. Bei sozialen Ereignissen, die gemeinsame Nahrungsaufnahme beinhalten, weise ich vorher auf meine ernährungstechnischen Absonderlichkeiten hin. Und so lange mir niemand eine Leberkäsesemmel oder andere Widerlichkeiten direkt unter die Nase hält, funktioniert das alles.
Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, wo die Sache mit dem Fisch geschah. Doch dazu mehr im zweiten Teil.
(Cliffhanger par excellence, hähä. Aber der Artikel ist sowieso zu lang, um in einem Betrag veröffentlicht zu werden. Habt Geduld…)