Patientia
Leider quietscht es noch immer im Kreuz, und somit habe ich eine super Ausrede fürs Nichtbloggen. Hätte ich aber lieber nicht, denn es ist echt ätzend im Moment. Drum nutze ich mein Blog ein wenig zum Rumjammern, zum Erzählen meiner Krankengeschichte und zum Schimpfen über die Ärzte. Was alte Leute eben so machen…
Nach einem Monat Schmerzen weiß ich nun seit einem weiteren Monat, daß ich einen Bandscheibenvorfall habe (vielen lieben Dank übrigens für euere Kommentare dazu!). Erst einmal folgten 1-2mal wöchentlich Besuche bei meinem Arzt, der so einiges ausprobierte.
Versuch 1: Entzündungshemmende Tabletten
Klappte prima für den direkten Schmerz zwischen den Schulterblättern. Nahm aber natürlich nicht das weg, was mich eigentlich noch viel mehr störte: Das permanente Halb-Eingeschlafen-Sein des linken Arms (blöd zu tippen, doo!).
Nach zwei Wochen ohne Besserung wurde ich rappelig und verlangte nach was anderem.
Und so folgte
Versuch 2: Keine Tabletten mehr, sondern Spritzen
Spritze in den Hals. Effekt gleich Null, immer noch flügellahm. Dafür war aber der Schmerz zurück.
Unbefriedigend.
Versuch 3: Noch immer keine Tabletten, dafür aber noch mehr Spritzen
Doc nahm mein Meckern zum Anlaß, die Dosis zu erhöhen: Zwei Spritzen in den Hals, eine in den Po. Resultat war, daß mir der Schmerz blieb und dazu nicht nur der Arm, sondern auch das linke Bein (vermutlich aus Solidarität) sporadisch einschlief.
Und nu?
Grund genug für mich, beim nächsten Termin richtig auf die Barrikaden zu steigen. Daraufhin wurde mir Cortison angeboten. Damit hab ich ja nun gar keinen Vertrag und lehnte ab.
Überhaupt war ich generell unzufrieden mit der ganzen Geschichte: Man müßte doch irgendwas “Richtiges” machen können. Irgendwas, auch wenn mir das durchreformierte Gesundheitswesen mit Zuzahlungen den Geldbeutel schröpfen würde. Physiotherapie würde ich in meinen knappen Terminkalender auch noch irgendwie unterkriegen.
Irgendwas, aber bitte endlich — nach über 8 Wochen — nicht mehr halbseitig trottelig sein und nicht immerzu nur Tabletten schlucken und gegen den Schmerz anspritzen!
Und da fing der Doc zum ersten Mal an, richtig zu erklären, was da eigentlich ablief: Der Bandscheibenvorfall ist wie eine Wunde. Da mit Bewegung und Training dranzugehen, würde alles nur noch verschlimmern. Wenn die Entzündung weg sei, könnten Muskeln wieder aufgebaut werden. Aber erst mal sei das Ziel, entzündungs- und damit schmerzfrei zu werden.
Auf meinen Einwand, daß einen 8 Wochen Dauerschmerz doch langsam etwas mürbe machen würden, lachte er nur trocken: Wenn wir nach einem Dreivierteljahr mit der Nummer durch seien, könnten wir froh sein.
Cortison nehme ich noch immer nicht, da bin ich hartnäckig. Aber ich bin inzwischen stolze Besitzerin einer Anstaltpackung der Tabletten, die ich von Anfang an bekommen habe. Der Rhythmus der Arzttermine ist auf zweiwöchentlich verlangsamt, ich harre der Dinge, die da kommen und verfluche meinen kribbelnden linken Arm.
Auch wenn seine Behandlungsmethoden mir oft etwas hauruck erschienen, bin ich doch zufriedener mit meinem Arzt — jetzt, wo er endlich mal angefangen hat, vernünftig zu erklären, statt gleich nach dem Händedruck die Spritze in der Hand zu halten. Trotzdem habe ich mir zwei weitere Wochen als Frist gesetzt, bevor ich noch eine zweite Meinung einhole.
“Patient” käme aus dem Lateinischen, meinte mein Arzt. Ich bin knapp am Kleinen Latinum vorbeigeschrammt und ahne, was er meint. Aber als die Geduld verteilt wurde, war ich wohl grad Pipi machen.
Schöne Scheiße, das.