Arbeitsverträge — Sind wir schon so weit?
In meinem Bekanntenkreis ist die Tage jemandem ein sehr dubioser Arbeitsvertrag für eine Vollzeitstelle in der Produktion vorgelegt worden, bei dem mir etwas die Spucke wegbleibt.
Unter anderem steht da drin:
- Verzicht auf Urlaubsanspruch
- Verzicht auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
Diese Zahlungen seien bereits in dem gezahlten Stücklohn enthalten. Dieser “Stücklohn” ist auch die komplette Lohnzahlung, ein festes Monatsgehalt gibt es nicht. Der Mitarbeiter fertigt also von Teil A eine Anzahl x, von Teil B eine Anzahl y, welches jeweils mit einer bestimmten Summe vergütet wird.
Sein Monatslohn errechnet sich also so:
x mal $StücklohnTeilA + y mal $StücklohnTeilB
That’s it. Null Urlaubsanspruch, und wenn der Mitarbeiter krank ist, hat er eben Pech gehabt. Die Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Krankheitsfall erbittet sich der Arbeitgeber aber.
Es geht hier wohlgemerkt nicht um eine Aushilfsstelle a la 400EUR-Job, sondern um eine Vollzeitstelle, die auch sozialversicherungspflichtig ist.
Ganz besonders würde mich in diesem Zusammenhang interessieren, wie das im Krankheitsfall mit den Leistungen ist, die der Arbeitgeber von der Krankenkasse erhält. Denn diese sind ja dazu da, eine Lohnfortzahlung zu sichern — die in diesem Fall aber nicht stattfindet.
Vielleicht bin ich arbeitsrechtlich nicht mehr so ganz auf dem Laufenden, aber mir kommt das Ganze sehr dubios vor. Der von uns angeratene Weg vor der Vertragsunterzeichnung beinhaltete ein Gespräch mit der Gewerkschaft (auch ohne Mitglied zu sein), mit der Krankenkasse (es geht ja auch um deren Gelder) und möglicherweise mit der lokalen Presse.
Aber bevor da Anfang nächster Woche etwas passiert, kann vielleicht einer der mitlesenden Sozial- und Arbeitsrechtsexperten mehr zu dem Thema beitragen?