16.3.03
So einen Abend hatte ich eben diese Woche.
Und weil man in einem Weblog ja idealtypischerweise seine Surftouren dokumentiert und ich die letzte Zeit eher über Ärger mit Providerhotlines geschrieben habe als übers Netz, kann ich euch das ja hier zur Abwechslung auch mal erzählen (bevor mein Weblog noch zum Telelog wird...).
Angefangen hat es damit, daß ich mich mit Frank über die Kelten [1, 2, 3, 4] unterhalten und mit ihm gekappelt hatte, wann eigentlich das mit König Artus war und wie sich das zeitlich zu den Skythen, den Pikten, den Wikingern und der Varusschlacht verhält. (Der historisch gebildete Leser möchte sich bitte nicht wundern: Wenn man zwar interessiert ist, aber nicht tiefer in die Themen und die komplexen Zusammenhänge einsteigt, sondern überall nur Häppchen mitnimmt so wie wir, dann packt man eben Ereignisse, die acht Jahrhunderte auseineinanderliegen, schnell mal in einen Topf... *schiefgugg*... Aber immerhin werfen wir danach noch das Internet an, um zu gucken, ob das auch alles so paßt, was wir uns zusammenreimen *g*)
Zwischendrin traf ich auf die Bilder zu einer schon mal gehörten, aber inzwischen fast wieder vergessenen Sage: Die von Demeter und Baubo nämlich. Klar, die zugehörigen Seiten sind meiner Meinung nach mit Vorsicht zu genießen, da teilweise mit sehr viel schon fast militantem Feminismus angehaucht. Ich hab auch gar nicht recherchiert, in wieweit diese Baubo existiert (es scheint ähnliche Darstellungen auch in indischen Mythologie zu geben, immer im Wechselbad zwischen Obszönität/ Abstoßung und Fruchtbarkeit).
Aber ich finde die Story von einer sprechenden Mumu, die schmutzige Witze erzählt und damit die Göttin der Fruchtbarkeit wieder aufheitert und davon abhält, ständig Hungersnöte zu bauen, ziemlich gut.
Wie heißt es immer so schön: Und wenn es auch nicht stimmen sollte, so ist es zumindest schön erzählt ;o)
Irgendwo auf dem Weg durch die Links (es muß wohl kurz nach den Wikingern und auf dem Weg zu den Skythen gewesen sein) kam mir dann noch ein Meteoriteneinschlag in Sibirien in die Quere, der sich bisher auch noch nicht zu mir rumgesprochen hatte und somit mein Interesse weckte.
Eine Abzweigung brachte mich dann zu drei fetten Linksammlungen zum Mittelalter, und dort in der Gegend muß es auch gewesen sein, daß ich mich erst zu einer Facharbeit über die Illuminaten und dann zu den Freimaurern verlaufen habe.
Beim Thema Freimaurer dachte ich mir dann so: "Jaja, von wegen Geheimbund! Neulich, als ich beim Zahnarzt war, da fuhr ich an so einem Gebäude vorbei, groß mit 'Freimaurerloge Herford' beschildert!".
Gleich mal gegooglet und Treffer gelandet, aber wo ganz woanders rausgekommen: Bei einer Seite über das jüdische Leben in Herford nämlich. Hochgradig interessant für mich, da ich an vielen Häusern, die dort beschrieben werden, natürlich schon vorbeigelaufen bin (wenn ich sie nicht sogar für den Stadtrundgang photographiert habe).
Bei vielen Orten, die dort beschrieben werden, habe ich mir vorgenommen, bei der nächsten Tour genauer hinzusehen, und ich freu mich schon drauf.
Bei dieser Seite endete auch meine Surftour (mal wieder viel zu spät am Abend, aber was soll es... schließlich hat es Spaß gemacht!).
Gerade die letzte Seite hat mich daran erinnert, wie spannend Geschichte sein kann - wenn man sie mit irgendetwas verknüpfen kann, was mit einem selbst zu tun hat. Meine Erfahrungen mit dem Geschichtsunterricht in der Schule wurden wieder wach: Bis zur achten Klasse hatte ich grottenschlechte Geschichtsnoten. Wir hatten eine Lehrerin, der Jahreszahlen und Namen wichtig waren. Sie erzählte immer von irgendwelchen Schlachten und Feldherren und irgendwelchen Völkern. In den Stegreifaufgaben wollte sie immer wissen, wer auf wen losgegangen war und für wessen Einfluß das gut war. Ich hab dann immer wüste Stories zusammengereimt aus den Namen und Orten, an die ich mich aus der letzten Stunde erinnern konnte und hab gehofft, daß das auch halbwegs stimmt.
Hat es selten, weswegen ich in Geschichte regelmäßig auf 4 stand.
Die Jahreszahlen und Namen hatten mich nicht berührt, ich hatte keine Bilder, Stimmungen und Geschichten dazu - wie soll ich mir das dann merken? Ich will doch wissen, wie die leben... Was hat so ein Caesar gefrühstückt? Und wie ging es so einem Bauern oder Weber, daß er plötzlich nen Aufstand gebaut hatte?
Museen fand ich immer halbwegs erträglich bis spannend, aber im Geschichtsunterricht hatte ich immer die Ar***-Karte gezogen.
Erst ab der neunten Klasse, wo der Lehrer wechselte und wir ihn darum baten, solche Zusammenhänge klarzumachen, wurde es besser. Er hat es sogar geschafft, uns diese Wechselwirkungen für diejenigen Epochen zu verdeutlichen, die wir schon lange durchgenommen hatten (war ja eigentlich gar nicht seine Aufgabe, aber er hat es doch irgendwie fertiggebracht). Und selbst bei bisherigen Einserschülern klackte es dank seiner Erklärungen nochmal mit dickem Aha-Effekt: "Die Römer hatten bis dahin ein Riesen-Territorium, und plötzlich kommt eine Niederlage mit Verlust der Gebiete - wie sollen sie reagieren? Dazu kommt noch innenpolitisch ziemliches Knirschen wegen..."
Endlich klärt sich, warum "333 - bei Issos Keilerei" nicht nur eine Eselsbrücke ist, und wieso die Gallier und die Varusschlacht so wichtige Milestones waren!
Und endlich macht Geschichte wieder Spaß.
Besonders interessant wurde Geschichte, als wir an einem Wettbewerb teilnahmen, bei dem das Dritte Reich und Judenverfolgung das Thema war. Nicht hauptsächlich großpolitisch, sondern ganz klein und regional sollten wir loslegen. Und fächerübergreifend. Gab es Verfolgungen und Konzentrationslager in unserer direkten Nachbarschaft? Wie komme ich an Infos dazu, wie werte ich Medien aus? Wie formuliere ich meine Ergebnisse? Verdammt, so viele Menschen getötet durch eine Ideologie... Das Entsetzen, die Trauer, das Nicht-Fassen-Können.
Es war eine sehr gute Zusammenarbeit von Geschichts-, Deutsch- und Religionslehrern, für die ich heute noch dankbar bin - heute sogar mehr als damals, weil ich jetzt in etwa abschätzen kann, was da an (sicher auch unbezahlter) Koordinationsarbeit zwischen den Lehrern gelaufen ist. Denn damals hab ich erlebt, wie es sein kann, wenn man sich an einem Thema "festgebissen" hat und daß es Spaß machen kann, nach Informationen zu suchen und tiefer einzusteigen in Dinge, über die man einfach so stolpert.
Und ich freu mich jetzt schon drauf, so nach und nach in die vielen gesammelten Bookmarks und Themen einzutauchen...
Naja, ich geb es zu: Das Ende is bissl blöde *g*, aber ansonsten - klasse!
Dankeschön!
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