7.12.02
[Bob Seger: Turn the page]
Das letzte Heimspiel in diesem Jahr und vor der Winterpause, wir hatten endlich mal nichts anderes vor, und mir war dringend nach Ablenkung.
Gute Idee, daß wir da waren!
Zwar haben wir gefroren wie die Schweine, und ich bin schwer der Meinung, daß ich vor lauter Zehenwackeln gegen die kalten Füße bald riesige Muskelpakete an den Zehen habe und meine Füße in keinen halbwegs normalen Schuh mehr bekommen werde, aber wir haben es gesehen.
Die Cam hab ich vergessen, aber wackelfreie Bilder hätte es vor lauter Zittern sowieso nicht gegeben.
Und Emanzendebatten hin oder her, ich mag es noch immer, wenn Männer in meinem Umkreis in stilles Erstaunen verfallen, weil ich souverän und gelassen "Abseits!" murmele und sitzenbleibe, während alles um mich ob einer Torchance tobt. Immer wieder gern genommen als Mund-offensteh-Lasser ist auch ein Pfiff auf den Fingern nach dem Foul an einem Arminen.
Kann das denn sonst keine?
Bin nur ich so?
Das nächste Mal geh ich mit Franks Fußballmädels auf die Alm, dann ist die Verwirrung perfekt.
Aber bis dahin bleibt ein etwas gedämpfter, aber dennoch freudiger Jubel im Hinblick auf den 16. Spieltag.
![]()
Meine Großmutter ist gestern nachmittag ganz plötzlich gestorben.
76 Jahre ist sie geworden.
Sie hatte vormittags noch für jeden in der großen Verwandtschaft (sie hat fünf Kinder und sieben Enkelkinder) eine Plätzchenkiste bzw. eine Nikolausüberraschung gerichtet und ist dann mit ihrem Mann einkaufen gefahren, um noch ein paar Kleinigkeiten für Nikolaus und ein Geburtstagsgeschenk für den Freund einer Enkelin besorgen.
Eigentlich geht sie selten mit in die Stadt, sondern läßt Opa alleine fahren oder sich ein paar Kleinigkeiten von ihren Kindern mitbringen. Gestern wollte sie ihren Mann aber begleiten und spöttelte noch damit: "Diesmal gehe ich mit, dann muß er mehr Geld mitnehmen. Er kauft nämlich immer nur die billige Schokolade, aber wenn ich dabei bin, dann wird es immer etwas teuerer."
Sie standen vor der Supermarkttür, und Opa ging noch in den Getränkemarkt nebenan, um eine Flasche Likör zu besorgen. Oma wollte nicht mit, sie wollte schon mal in den Supermarkt gehen.
Sie kam nicht weit.
Im Windfang gleich nach der Eingangstüre ist sie umgefallen.
Was es war, ob Hirnschlag, Infarkt oder was auch immer, weiß man bis jetzt nicht. Sie hatte in den letzten Jahren viel Probleme mit verstopften Gefäßen, und eine Operation wäre ein großes Risiko gewesen.
Sie kam nicht mehr zu Bewußtsein, alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.
Daß Oma, die doch größtenteils zu Hause war und die meiste Zeit zurückgezogen mit der Familie verbrachte, nicht zu Hause, sondern umringt von Menschen starb, ist eine Ironie. Ich hätte schwören können, wenn es so weit wäre, würde sie morgens einfach nicht mehr aufstehen oder in ihrer Wohnung umfallen.
Meine Mutter und einige ihrer Geschwister konnten sich noch im Krankenwagen von ihr verabschieden.
Die Dose mit den Plätzchen, die für meine Mutter gedacht waren, hatte Opa noch im Auto - nach dem Einkaufen wollten die beiden zu meinen Eltern hochfahren.
Oma hatte diese Woche meine Tante noch gefragt, ob Frank und ich zu Weihnachten zu Hause sein würden und ob sie für uns einen Platz beim Weihnachtsessen planen solle.
Ich werde Weihnachten nicht daheim sein, weil ich am bis zum 23. und ab dem 27. arbeiten muß.
Aber ich möchte zur Beerdigung freibekommen, um mich von Oma verabschieden zu können.
6.12.02
![]()
4.12.02
Hat wer zufällig am Montag Kochduell auf VOX gesehen?
Und wenn ja: Wißt ihr, welcher Koch dort gekocht hatte?
Der eine war wohl Franz Xaver Bürkle - aber wer war der andere?
Gerne mehr davon...
Merci, Pepino!
3.12.02
Blöd ist, wenn man Fensterputzen müßte.
Super jedoch ist, wenn man einen urlaubenden Mann hat, der derart grandios mit Abzieher und Tuch umgehen kann, daß ich mich zu spontanen Luftsprüngen genötigt sehe.
(Männer: vergeßt Parfüm, Klunker und Pelze zu Weihnachten - kommt Fensterputzen!)
Und ich schwöre, daß ich mich anfangs so dumm mit dem Abzieher angestellt habe und schließlich Frank zur genauen Nutzung des Teils befragt habe, bis er schließlich schnuppsdiwupps alle Fenster selbst geputzt hat und ich nur noch fensterbretter-abräumend bzw. fensterbretter-vollstellend vor bzw. hinter ihm herging... das hat rein gar nichts mit irgendwelchen faulen Tricks zu tun.
Es hat sich einfach so ergeben... ;o)
Ich muß mich erst noch ein wenig an die Helligkeit gewöhnen. Aber ich glaube, für meine innere Uhr bleibt es ab jetzt wieder eine halbe Stunde länger hell.
![]()
2.12.02
1.12.02
Welt-Aids-Tag.
Und ich war Jahrespraktikantin in der Aidsberatungsstelle. Tausend Sachen galt es zu planen und zu organisieren, Abendtermine, Plakate, Aktionen usw. Es war anstrengend, aber es war eine gute Arbeit. Und auch jetzt, drei Jahre später, fühle ich mich noch irgendwie verpflichtet und davon bewegt. Man vergißt leider viel zu schnell, und zum Glück bin ich in der guten Lage, nicht ständig an den Virus erinnert zu werden. Mein Sexualleben verläuft so, daß ich mir um Aids keine Gedanken machen muß, und selbst im Klinikalltag mit Patienten ist HIV kaum ein Thema: Mein Patientenkontakt beschränkt sich auf Händeschütteln und Gespräche, im Höchstfall Umarmungen. Das Virus mag solcherlei Kontakte nicht, wenn es um seine Weiterverbreitung geht. Eher noch habe ich Angst vor Hepatitis oder den Viren und Bakterien, die durch die Klinikumgebung resistent gegenüber den meisten Medikamenten geworden sind.
HIV ist damit in meinem Leben kein Thema, so lange es um meine eigene Gefährdung geht.
Der Welt-Aids-Tag ist aber ein Thema für mich, weil ich mich gerade an diesem Tag an meine damaligen Klienten erinnere. Die ehemals drogenabhängige Marion*, die immer wieder an Männer geriet, die ihr mehr Energie entzogen haben, als sie hatte. Michael, ehemals hetero, früher verheiratet und mit Tochter, seit Jahren auf der Suche nach dem Traummann, der ihn auch mit Virus haben will. Helga, die von ihrem damaligen Mann infiziert wurde, und die nach einer sehr dunklen Zeit einen wunderbaren Mann heiratete und dank ihm und Kombinationstherapie pure Lebensbejahung ausstrahlt.
Und schließlich Carsten.
Zwei Geschichten gibt es zu seiner Infektion: Es gibt den Steward bei einem großen Luftfahrtunternehmen, der mir wortreich und mit glitzernden Augen bestätigte, daß das Klischee der schwulen Piloten und Stewards nicht von ungefähr kommt.
Und es gibt den Entwicklungshelfer, der für einige Zeit nach Indien ging, um Impfprogramme durchzuführen. Mit tage- und mehreren Metern langen Reihen von Oberarmen, in die die Impf-Lanzette gestochen werden sollte. Hektik und Trubel, in dem es durchaus mal vorkommen konnte, daß man sich selbst in den Finger stach.
Sucht euch die Geschichte von Carsten aus, die ihr hören wollt - er wußte selbst nicht, wann das Virus ihn erwischt hat, denn es traf ihn weit vor den Zeiten von Aidstests und Aufklärung. Nachdem er es erfahren hatte, hat er sich als erstes von Andreas, seinem damaligen Freund getrennt. Andreas war sehr jung, er hatte sein Coming-Out mit Carsten, und Carsten wollte nicht, daß sich Andreas aufgrund der Krankheit ihm gegenüber irgendwie verpflichtet fühlte. Ziemlich energisch beförderte er den heulenden Andreas aus seinem Leben, auf daß er die große bunte schwule Welt kennenlernen sollte, anstatt am Krankenbett zu hocken.
Erst Jahre später haben sie sich wieder getroffen.
Mit massiven Schäden an Bauchspeicheldrüse und Leber und einem schuppenden Ekzem im Gesicht habe ich Carsten kennengelernt. Weit jünger als mein Vater, doch körperlich ein Greis. Was er aber zu erzählen wußte und für wie viele Dinge er sich interessierte...
Er war verhältnismäßig klar im Kopf, und das mag man als Gnade werten. Für die Kombinationstherapie kam er aufgrund der Schäden, die das Virus in all den Jahren an seinem Körper angerichtet hatte, nicht mehr in Frage. Es wurden Symptome behandelt, und er trug eine Morphiumpumpe, über die er die Dosis selbst steuern konnte.
Als mein Anleiter im Urlaub war, habe ich ihn wieder besucht und mit ihm über dies und das geredet. Es ging ihm wie immer, zumindest hatte ich den Eindruck. Er erzählte mir beiläufig, daß seine Handgelenke in den letzten Tagen angeschwollen seien, er könne seine Armbanduhr seit gestern gar nicht mehr tragen. Es war eine Swatch-Uhr, er trug sie gern. Ich bat ihn, seine Ärztin darauf anzusprechen, und er versicherte mir, daß er sie zwar über die Feiertage nicht stören wolle, sie aber am Dienstag anrufen wolle.
Am Dienstag kam ich in die Beratungsstelle, und mein Anleiter sagte mir, Carsten sei gestorben.
Es muß wohl über Nacht passiert sein, Carsten lag im Bett, als der Pflegedienst ihn am nächsten Morgen gefunden hatte. Friedlich und entspannt seien seine Gesichtszüge gewesen.
Sicher hat er nicht gewollt, daß ich mir Vorwürfe mache, weil ich wegen der geschwollenen Arme nicht selbst Kontakt zur Ärztin aufgenommen habe. Schließlich kannte er seinen kranken Körper schon so lange und hätte gewußt, wann er sich bei einem Arzt Hilfe holen muß.
Er hatte so lange gekämpft... Ich glaube, sein Körper war des Kämpfens müde.
Und sicher hätte er gewollt, daß wir weiter aufmerksam bleiben, um anderen den Weg zu ersparen, den er gegangen ist.
Darum denke ich heute an Carsten und erzähle euch seine Geschichte.
Links zum Thema:
Liisas WAT 2002
Dirk
Ute hat mal näher nachgefragt und auch gleich eine Antwort erhalten.
Mein Kommentar dazu findet sich bei ihr.
Franks Kommentar war ein unbewegt gemurmeltes: "Das sind Lipper, die sind so."
(Nicht, daß ich mich anschließen möchte und könnte nach gut einem Jahr in OWL - wollte das nur der Vollständigkeit halber mit aufführen...)
[Update II:]
Eine Lektion aus der Abteilung "Wie ich es ganz sicher schaffe, alles, was ich über seriöses Geschäftsgebahren gelernt habe, restlos über Bord zu werfen, damit auch wirklich gar nichts mehr davon übrig ist", folgte umgehend.
Ich werde es in Zukunft unterlassen, Vorschläge zu lukrativen Geschäftsmodellen in Kommentaren kundzutun, denn manche Leute sind einfach komplett merkbefreit.
Franks Kommentar Nummer 2 war übrigens:
"Da wundert mich gar nicht mehr, daß die ganzen Fußballvereine über ihre Finanzen jammern - bei der ganzen Werbung, die die auf den Trikots und den Banden im Stadion haben!"
Während ich gestern abend nach den Spielen gefrustet den Live-Stream abschalte und mich mit einem leisen Schniefen verziehen wollte, doppst Frank grinsend in seinem Stuhl auf und ab: "Dann kannst ja endlich mal den Arminia-Smilie bringen!"
Recht hatter:
![]()
Zum Einen weihnachtet es rechts ein klein wenig. Ein bißchen Werbung fürs Buch, und ein Link zum Adventskalender, der nicht nur zu Promotion-Zwecken da ist, sondern auch meiner eigenen Klickfaulheit entgegenkommt.
Damit ist auf meiner Internetseite fast schon mehr Weihnachten als hier in der Bude. Mit Müh und Not habe ich es gestern noch geschafft, Loretta (der kluge Leser weiß: Das ist der Laptop im Hause Tilker-Peetz) ihres angestammten Platzes auf dem Schreibtisch zu verweisen und an ihre Stelle meinen stressfreien Adventskranzteller zu stellen. Stressfrei deswegen, weil ich wirklich nur das Deko-Zeugs auf die Platte werfe, vier Teelichter reinstelle und damit hat sich der Kram. Nadelt nicht, kann nur unter äußerst dubiosen Umständen in Flammen aufgehen, ist also maximal idiotensicher, wartungsfrei und somit genau richtig für mich:

Mal sehen, ab Montag hab ich mal wieder eine halbe-Tage-Woche, vielleicht werde ich mich der Fenster noch erbarmen.
Und wenn nicht, dann halt nicht ;o)
