21.9.02
Mit gemischten Gefühlen sind wir in Signs - Zeichen gegangen: Kornkreise, Außerirdische, Menschheit bedroht und lauter so'n Kram.
"Naja", dachte ich mir, "wird schon wieder so ein Thrillerzeugs sein." Ich hab nämlich die dumme Angewohnheit, bei solchen Sachen immer gedanklich abzuschweifen, sobald die erste unglaubwürdige Szene, der erste Special Effect oder der erste Logikfehler in der Handlung auftaucht. Dann werden in Gedanken Gedichte rezitiert, die Farbzusammenstellung der Kleidung der Darsteller analysiert oder ähnliches. Die Handlung prallt an mir ab, ich bin für diesen Film und seine Aussagen hoffnungslos verloren.
Bei Filmen über Außerirdische und Kornkreise ist definitiv mit Logikfehlern und Unglaubwürdigkeiten zu rechnen, also erwartete ich nicht allzuviel.
Doch der Film hatte es in sich.
Von meinen Prüfungsphasen mal abgesehen, habe ich bisher in meinem Leben wohl noch nie so viel Adrenalin in zwei Stunden ausgeschüttet. Mehrmals habe ich mich im Sitz hin- und hergeworfen und desöfteren zu atmen vergessen. Nur einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, daß ich dem bedauernswerten Frank nicht den linken Arm vor lauter Schreck abgerissen habe.
Gezeigt wird das Grauen erst später im Film, die Spannung entsteht durch Anspielungen und Vermutungen. Und oft gibt es auch Situationen, in denen man das Schlimmste erwartet und auf den Schrecken gefaßt ist - und es passiert gar nüscht.
Besonders gefallen hat mir, wie inmitten von hochdramatischen Szenen plötzlich eine Stelle zum Lachen kam - ohne jedoch die Spannung dadurch abzubauen. Sie fuhr lediglich wieder auf ein aushaltbares Maß zurück. Als etwa der Junge in einer gefährlichen Situation anfängt, über die Motive von den Außerirdischen zu rätseln und zu dem Schluß kommt, daß sie feindlich und gewalttätig sein müssen, weist ihn der Vater zurecht: "Hör auf, deiner kleinen Schwester Angst zu machen!". Da kommt von der Schwester ein zaghaftes: "Aber ich hab doch schon Angst..."
Das Lachen darüber hat mich (und Franks Arm) nur für kurze Zeit erlöst.
Die Rahmenhandlung bzw. die Kernfrage des Film (ist alles Zufall oder gibt es eine höhere Macht?) und die Antwort darauf war zwar nicht so ganz mein Geschmack, aber allein die Art und Weise, wie in diesem Film Spannung erzeugt wird, lohnt sich.
Fazit:
Hingehen, wer keinen Herzfehler und einen Begleiter mit strapazierfähigen Armen hat - und wenn man nicht gerade neben einem Maisfeld wohnt.
Mein Dank an die stille Mitleserin Sonja!
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Der Bush-Hitler-Vergleich ist ein dickes Ding, ganz klar.
Daß kriegerische Aktivitäten ganz fein von innenpolitischen Mißständen ablenken, ist Fakt. Ob dieser Effekt auch so erwünscht bzw. der eigentliche Grund für den Krieg sind, ist eine Sache, über die man mal nachdenken kann; Zuweilen sogar laut und öffentlich, wenn es in rhetorisch angemessener Form geschieht.
Aber der Vergleich Bushs mit Hitler... puh, das geht am Stammtisch nach diversen Alkoholika oder im engen Freundeskreis - aber nicht als Minister einer Regierung. Und das sollte man nach ein paar Jährchen Regierungserfahrung eigentlich auch wissen.
Herta, was ist nur in dich gefahren?!
Nicht ganz so einfach ist die Sache mit Möllemann.
Israel führt einen Krieg, in dem alle häßlichen Gesichter des Krieges auftauchen und in dem der Tod von Zivilisten wohl noch das harmloseste ist. Bei Palästina sieht die Sache nicht viel besser aus.
Die Taten und das Vorgehen beider Staaten ist zu verurteilen, und eine friedliche Lösung des Konfliktes ist längst überfällig. Doch es kann nicht sein, daß eine der beiden Kriegsparteien mehr Anerkennung und Unterstützung aus Deutschland erfährt, weil die Schuld von vor einem halben Jahrhundert auf Deutschland liegt. Es kann ebenso nicht sein, daß kritische Stimmen aus Deutschland, die das Vorgehen Israels kritisieren, als Judenfeindlichkeit und Antisemitismus gebrandmarkt werden - in dem Wissen, daß solche Vorwürfe gerade vor dem Hintergrund der deutschen Vergangenheit jemanden ganz flott ins politsche Aus verfrachten.
Dieses reflexartige Beantworten einer Kritik an Israel mit dem Zuschreiben von Antisemitismus macht sämtliche Dialoge zunichte, zerstört einen möglichen Weg in Richtung Frieden und macht eine Positionierung Deutschlands außerhalb von Israels Linie unmöglich.
Das kann und darf nicht sein, und wenn das Möllemanns Anliegen ist, stimme ich ihm zu.
Unmöglich ist jedoch Möllemanns permanentes Angreifen Friedmans, das schon fast lächerliche Züge annimmt.
Ich stelle mir gerade Möllemann vor, wie er morgens frisch geduscht vor seiner Tasse Kaffee sitzt, den Terminkalender aufschlägt und sich überlegt, was heute alles ansteht:
8 Uhr: Guido anrufen"Hmm," denkt sich Mölli, "nach dem Fallschirmsprung hab ich noch ne Stunde Zeit, da könnte ich doch noch..."
9 Uhr: Interview mit der FAZ
10 Uhr: Wahlkampf in Quickborn (18-Sticker nicht vergessen!!!)
12 Uhr: Mittagessen mit Guido
13 Uhr: Fallschirmabsprung über der Lüneburger Heide, anschließend ein Stündchen Wahlkampf
17 Uhr: Lokaltermin Fußgängerzone Bremen (gelbe Krawatte mitnehmen!!!)
18 Uhr: Interview mit der Rheinischen Post (Guidomobil)
"Süddeutsche anrufen und ein bißchen Friedman flamen; evtl. unterstützt mit Flyer?! ->Druckerei anrufen!!!"
19.9.02
Da ist zum einen ein sogenannter "Schurkenstaat", bei dem man Waffen vermutet, die gefährlich sind und darum in den Händen von unkalkulierbaren Diktatoren nichts verloren haben. Drum sagt man: "Laßt uns da mal gucken, ob ihr auch wirklich keine von diesen ollen Teilen habt. Weil nämlich, wenn ihr uns nicht gucken laßt, dann hauen wir euch auf den Kopf.".
Schurkenstaat sagt nach einer Weile internationalem Säbelrasseln: "Kommt, ihr Leute, und guckt."
Amerika sagt: "Och, eigentlich bist du so ein Oller, wir konnten dich schon früher nicht leiden. Dir wollten wir so oder so auf den Kopf hauen, da nützt die ganze heitere Waffenbeschau auch nüscht mehr."
Häää?!
Vielleicht bin ich ja ein bißchen doof oder so, aber ich versteh das nicht.
Wenn es nur eine "family affair" ist, wie dies hier glauben machen will, warum muß dann die halbe westliche Welt zur Solidarität getrommelt werden?
Wer mir hier weiterhelfen kann, möchte sich mit der Erklärung bitte an die "Philadelphia"-Maxime halten, die in solchen Fällen immer weiterhilft: Erklären Sie es mir, als ob ich fünf Jahre alt wäre.
Dann ist da noch die Sache mit dem festgenommenen Top-Terroristen Binalshibh.
Klar möchte man gerne wissen, welche Rolle er im Attentat vom September 2001 gespielt hat und was er sonst noch über Mittäter und deren Aufenthaltsorte weiß. Und es ist klar, daß die USA mit sowas nicht gerade zimperlich umgeht. Aber was dieser Artikel hier vermuten läßt, treibt mir die Gesichtsfarbe aus der Birne: Der Mann ist wahrscheinlich gerade in einem nicht näher benannten "Drittland", in dem Menschenrechts-Konventionen keine Anwendung finden müssen.
Sollte er von den USA den Status "feindlicher Kämpfer" verliehen bekommen (was anzunehmen ist), hat die weitreichende Folgen:
- er kann ohne Angabe von Gründen weiterhin festgehalten werden
- er hat kein Recht, einen Anwalt zu konsultieren
- kein Einblick der Presse in die Ermittlungen
Im Fall einer Anklage vor dem Militärgericht könnte es zu einem Verfahren vor einem sogenannten Schnellgericht kommen, wie es sie seit kurz dem 11. September 2001 gibt. "Vor diesen Gerichten hat der Angeklagte keinen Anwalt, während die Ankläger nicht alle Beweise präsentieren müssen - angeblich, um die nationale Sicherheit nicht zu gefährden. Am Ende muss Präsident Bush und der Verteidigungsminister das Urteil unterschreiben. Sie können es jedoch auch per Veto ändern."
Träum ich, oder ist das echt?!
Kein Anwalt, keine Kontrolle unter den Instanzen, Folter nicht ausgeschlossen, zwei Leute unterzeichnen das Urteil... Wäre ich gehässig, würde ich sagen: Das hört sich doch glatt nach einem Schurkenstaat an.
Aber ich bin nicht gehässig, ich bin fassungslos.
Bitte versteht mich nicht falsch: Das, was am 11. September 2001 passiert ist, ist eine Tragödie von bisher nie dagewesenem Ausmaß; Und diejenigen, die diese Tat zu verantworten haben, müssen gefaßt und bestraft werden.
Doch egal, was ein Mensch getan hat: Er verdient eine menschenwürdige Behandlung und einen fairen Prozess.
Wer ihm dies verwehrt, ist nicht besser als die Täter.
Nachtrag:
Damit es nicht verloren geht, zwei Links zum Thema, die in den Comments aufgetaucht sind:
aufgerechnete Schweigeminuten
Lügenbarone unter sich
Aber jetzt hab ich wenigstens mal den Bogen mit den Parkplätzen raus und meine Fahrtzeit so koordiniert, daß ich nicht eine halbe Stunde vor Arbeitsbeginn blöde am Parkplatz rumstehe...
Hach, mir macht das Spaß!
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Doch, ich glaub, ich geh da heute wieder hin!
;o)))
16.9.02
Mit aller noch verbleibenden Macht haut Stoiber mit der Faust auf die Stammtische, daß die Krüge wackeln und die Bierdümpfeln aufgeschreckt werden... und mir is schon ganz schlecht.
