23.8.02
Klar, auch ich gucke jeden Abend fassungslos in den Fernseher und sehe diese Bilder: Verwüstete Häuser, in denen sich wert- und liebevoll eingerichtete und ausgestattete Räume befanden; Zerstörte Infrastruktur wie Bahnschienen und Straßen, die teilweise erst ein paar Jahre alt waren; Menschen, die zwischen Verzweiflung und Tatendrang stehen, weil sie Dinge verloren haben, die für sie von materiellem und ideellem Wert, vielleicht sogar ihr Lebensinhalt waren.
Einzelne Schicksale versuchen, einen Eindruck der Katastrophe zu vermitteln: Die Frau, die sich einen Sanitäter zur Begleitung holte, als sie zum ersten Mal nach der Evakuierung ihren Laden betreten will. Der Mann, der bis zuletzt bei der Sicherung des Deiches mithalf und darum seine eigenen Habseligkeiten im Ergeschoß nicht mehr retten konnte, als der Kampf um den Deich verloren war. Die vor einem Jahr renovierte Metzgerei, die zerstört ist und keine Einnahmen mehr liefern kann, um den Kredit abzubezahlen. Der ältere Mann, der sein Leben lang ein Haus für sich und seine Familie auf- und ausgebaut hat und sein Lebenswerk in einer Nacht verloren hat.
Wie viele Tagebuchschreiber in diesen Tagen anmerken, gibt es keine Betroffenheit. Kann es gar nicht geben, denn meine Wohnung ist heile, meine Füße sind im Trockenen, ich bin nicht betroffen.
Mitleid? Das hat was von "Ach, arm Wurm, is schlimm, aber wird alles wieder fein."
Eher schon ein Mitfühlen: Ich versuche mir auszumalen, wie es mir anstelle dieser Menschen ginge, wenn hier das Wasser stünde. Würde ich mich evakuieren lassen oder in den ersten bzw. zweiten Stock umziehen? Was würde ich tun und fühlen, angesichts eines Berges von Schutt, der mal mein Zuhause war, das ich mir vor wenigen Jahren erst geschaffen habe? Wenn meine finanzielle Existenz in Form eines Ladens etwa, zerstört ist?
An dem Punkt und wenn ich die Bilder sehe, merke ich, daß mein Kopf nicht genügt, um sich das vorstellen zu können. Mein Hirn und all das, was ich bisher erlebt habe und was für einen Vergleich taugen könnte, reichen nicht aus, um überhaupt nur den Hauch einer Ahnung davon zu bekommen.
Es bleibt bei einem Versuch des Mitfühlens.
Und bei der Wut, wenn ich höre, wie schamlos Politiker sich die Lage zu Nutzen machen. Vor noch nicht mal einer Woche hieß es, angesichts des Ernsts der Lage könne niemand das Thema Hochwasser zum Wahlkampf machen, das sei unmoralisch. Und nun sind wir mittendrin: Wer ist schuld an der Katastrophe, weil er Flußverengungen und -begradigungen zu verantworten hat? Was ist das ideale Mittel, um die Gelder für den Wiederaufbau zu beschaffen?
Ich weiß ja, daß Opportunismus und Betrug an den Wählern zum Tagesgeschäft gehören, aber daß es so offensichtlich passiert, strotzt nur so vor Dreistigkeit.
Wir sind eines der reichsten Länder dieser Welt. Während Flutkatastrophen in Indien außer ein paar Hilfsorganisationen niemanden so wirklich interessieren und Länder wie Polen sich stillschweigend ans Aufräumen nach dem Hochwasser machen, können wir es uns leisten, mit den von der Flut weggespülten Milliarden Wahlkampf zu machen.
Pfui Teufel.
Nein, heute mach ich den Moonies keine Ehre - obwohl es gerade so eine verwunsche Athmosphäre wäre, mit Vollmond und ein bißchen Wetterleuchten ...
Aber sicher braut mein Hirn im Schlaf gleich noch etwas vollmondgerechtes an Träumen zusammen.
;o)
21.8.02
Locker, in fünffacher Ausführung und gräßlicher html-Schriftgestaltung kommt dieses Teil heute morgen daher:
Hallo,
wie versprochen, einen sonningen Gruß aus Thailand!
Der Urlaub ist ja nun leider bald vorüber.
Bin zurzeit noch in Bangkok shoppingmäßig unterwegs. Rückflugsdatum ist zur Zeit noch offen, zumal ich mich entschlossen habe einen Abstecher nach Singapur zu machen. Das Datum meiner Ankunft hat sich dadurch verschoben. Ich verlasse mich auf dein Versprechen mich abzuholen, da ich sonst nicht weiß, wie ich nach Hause komme!! Schicke mir deshalb eine sms an folgende Nummer :
0178-4448008
hesekil2000@yahoo.de
da dies wahrscheinlich die letzte Möglichkeit für mich ist, Dir eine e-mail zu schreiben oder zu empfangen!! Dann können wir die näheren Details per sms bequatschen.
Viele Grüße und bis bald
Namen nennt der Knabe/ die Dame keinen.
Soweit noch alles klar, und weil ich niemanden kenne, der derzeit in Thailand ist und ich keinen Bock habe, auch noch aufs Händieh Spam geprügelt zu bekommen, werd ich diese SMSerei tunlichst unterlassen.
Richtig cool ist aber der Footer dieser Mail:
If you want to unsubscribe from our mailing list please Click Here to send email with the subject remove
All removal requests are handled as soon as possible
Wow ... wenn ich mal in Urlaub fliege und nicht weiß, wer mich hernach vom Flughafen abholen soll, dann mach ich auch ne Mailingliste für die Leute auf, die dafür in Frage kommen.
Ist echt praktisch!
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Hab mich natürlich auch gleich zu einer neuen Rubrik namens "Buttons" zur Rechten hinreißen lassen, die jedoch - zugegebenermaßen - mit nur einem Button drin etwas mager aussieht. Aber vielleicht finde ich ja noch die Inspiration zu ein paar dieser Teilchen. Ich weiß nur noch nicht, ob ich hoffen oder fürchten sollte, daß der Bastelwahn bei mir mit so einer Härte zuschlägt wie bei Melody...
;o)))
20.8.02
Ich hab da so Boxen, nä.
Bzw. ich hatte da mal Boxen, die (aufgrund des Boxenüberschusses im Parterre und aufgrund des Mangels an selbigen im ersten Stock) inzwischen bei unserem Mitmieter stehen. Er findet die so gut, daß er sie mir gerne abkaufen möchte. Und nun weiß ich nicht, was ich dafür verlangen soll/kann/darf.
Viel sagen zu Typ und Leistung kann ich auch nicht, da durch drei Umzüge inzwischen sämtliche Anleitungen und Kaufbelege (es waren meine allerersten Boxen, ca. acht Jahre alt) versiebt sind und auch keine nähere Spezifikation auf den Teilen zu finden ist. Im Hinterkopf habe ich noch einen Preis von um die 1000-1300 DM, allerdings zusammen mit einem Harman&Kardon-Verstärker HK6150.
Es handelt sich um relativ kleine (ca. 30x20cm) aber feine Boxen der Marke "Monitor Audio", feiner Klang und gut als Stand-Alone-Boxen.
Hab auch auf der Herstellerseite schon mal in den alten Produkten gewühlt, aber weder etwas gefunden, das 100%ig paßt, und Preise fehlen da ja auch.
Wenn jetzt jemand laut "Hier! Ich kenn mich da aus!" ruft, könnte ich auch noch ein Photo der Teile bieten, aber mehr Infos dazu hab ich nicht ...
Wißt ihr was?
Eine Heißklebepistole.
Fein!
Ich hab da nämlich ein Problem mit meinem Schreibtischstuhl. Ja, genau der Stuhl, den ich Anfang des Jahres mitten im Diplomarbeitstress für mein restliches DM-Geld erstanden hab (warum gibt es da keinen Turbulenzeneintrag zu? Ich muß wirklich im Stress gewesen sein ...). Da löst sich hinten immer wieder ein Stück Stoff von der Unterseite der Sitzfläche ab.
Ganz sicher ist da noch Garantie drauf, aber da ich nicht diejenige bin, die Schreibtischstühle zwischen HF und BI hin- und herkarrt, wenn sie das Problem auch selbst lösen kann, fragte ich eben Frank, ob er wohl eine Heißklebepistole hätte. Er hatte nicht, aber er durfte die aus der Firma über Nacht ausborgen.
Find ich spitze.
Und wenn er nächste Woche auch noch den 25er Forstnerbohrer ausleihen kann, damit wir endlich die Scharniere und damit die Türen an unseren Aquarienschrank bringen, statt sämtlichen Besuchern den bunten Innenlebenmix aus Filter, Futter, CO2-Anlage, Keschern und Testsubstanzen preiszugeben ...
... dann freu ich mich noch ein bißchen mehr.
Männer, vergeßt Parfum, Pralinen und Blumen.
Bringt Heißklebepistolen und Forstnerbohrer zu eueren Frauen!
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19.8.02
Wir hatten nämlich gerade ein Monster im Wohnzimmer.
Mindestens ... *Lineal zum Nachgucken schnappt, vor Hibbeligkeit das Thermometer erwischt und vergebens nach Zentimetern guckt, endlich Lineal gefunden hat und guckt* ... mindestens fünf Zentimeter groß, eher sechs.
Spinne.
Nicht die mit den dünnen Beinen und dem relativ kleinen Körper, sondern eine fette Spinne mit langen, aber stabilen Beinen.
An der Wohnzimmerwand.
Auf Kopfhöhe.
Ich war grad beim Einatmen und hab diese Tätigkeit aprupt gestoppt, als ich dieses ... Ding sah. Wäre ich grad beim Ausatmen gewesen, hätt ich wohl geschrieen.
Auf dem nicht vorhandenen Absatz umgedreht und aus dem Zimmer gestürmt.
Ich bin nicht zimperlich bei sowas, kleinere Spinnen beobachte ich gerne mal beim Nestbau, und die großen mit langen Beinen und dünnem Körper erledige ich selbst ohne großes Zaudern mit Zeitung oder Staubsauger.
Aber das hier ist kein Fall für mich, da muß ein Mann ran. Am günstigsten mein Mann, der schon im Bett liegt. Aber das ist jetzt nebensächlich.
Der meinte, die sei sogar ihm für die Glas- und Bierfilzmethode zu groß ... beruhigend, ich fühl mich schon nicht mehr ganz so mädchenhaft.
Er hat sie mit dem Staubsauger erlegt, und ich hab in meiner Panik das Rohr vorne noch mit Zeitung verstopft ... Puh.
Ich hab noch nie so eine große Spinne frei in mitteleuropäischen Gefilden gesehen - die war sehr viel größer als diese ... *Namen such* ... bei uns heißen die Pferdestecher, mit so langen Beinen, die auch fliegen können. Wißt ihr, was ich meine?
Die war auch größer als die Spinne, die ich damals mitten in der Nacht allein in meiner Wohnung in Bamberg erlegt habe.
Das war auch so eine fette, aber mit kürzeren Beinen. Lief einen halben Meter von meinen Füßen entfernt über den Boden.
Towanda guckt, erschrickt, schreit eine halbe Minute, besinnt sich, daß Anbrüllen bei Spinnen seltenst zum Tod führt und wirft einen Collegeblock (A4, 160 Blatt) geöffnet und mit Wucht über das Vieh. Schuhe angezogen und eine Minute lang drauf rumgetrampelt.
In die Küche gehen, Glas Wein holen, fertigzittern und dann wieder beruhigen.
Der Collegeblock lag damals noch eine ganze Weile am Boden, für die Uni hab ich mir einen neuen gekauft. Erst nach einer halben Woche hab ich mich getraut, ihn anzuheben, aber nur mit einem Bleistift an der Spiralheftung.
Staubsaugen werde ich heute und morgen auch nicht ...
*schauder*
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* Das Copyright auf diese Formulierung haben die Schräte, im fränkischen Original besungen als "Nervn wie braada Nuddln".
Fakt ist, daß ein solcher Rechner für mich erst in Frage kommt, wenn ich genug Geld habe, um auch noch eine Klimaanlage anzuschaffen.
Oder Stickstoffkühlung.
Na egal, ich hab ja noch genügend Pferdchen am Laufen, denen ich hinterhertelephonieren kann. Urlaubszeit gerade, daher ist der Zeitraum zwischen Bewerbung und Absage/Einladung zum Vorstellungsgespräch momentan etwas größer. Fünf Strohhalme tummeln sich noch in meinem perfekt organisierten Ordner (die Verwaltung meiner eigenen Arbeitslosigkeit ist gerade meine einzige Aufgabe - und die hab ich ziemlich perfektioniert ...:o|).
Und wieder bin ich bei der Telephonsession auf diese Unsitte gestoßen: Bewerbern weder abzusagen noch den Kram zurückzuschicken.
Ich meine, wenn man nach Personal sucht und sich daraufhin jemand die Mühe macht, diesem Ruf zu folgen und Zeit in Anschreiben, Unterlagen und schicke (nebenbei bemerkt, auch teuere) Mappen nebst Photos investiert, sollte man den Leuten nicht wenigstens so viel Respekt entgegenbringen, Bescheid zu sagen und die Sachen zurückzusenden?
Vielleicht sollte ich meine Bewerbungen künftig einleiten mit:
"Bitte entschuldigen Sie, daß ich Sie mit meiner Bewerbung belästige."
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Einen Kult um meinen Körper mache ich sicher nicht. Solange ich noch halbwegs passende Kleidung finde, ist mir mein Gewicht egal; nach fünf Jahren des Nicht-Wiegens stand ich im Frühjahr diesen Jahres zum ersten Mal wieder beim Arzt auf der Waage, der sich für mein Gewicht mehr interessierte als ich selbst.
Kein Sport für mich und meinen Körper. Ein paar kleine Dehnübungen reichen mir, um ihn wohl zu fühlen und kleinere Verspannungen und Zipperlein zu lösen.
Ein bestimmtes Maß an Körperpflege und Hygiene lasse ich ihm zukommen. Doch ich brauche keine edlen Essenzen, mit denen ich mir die Haut salbe, und mein Körper schätzt das wohl auch nicht - wie ist es sonst zu erklären, daß er auf viele Cremes, Schminke und andere Mittelchen mit Pusteln und Jucken reagiert?
Natürlich repräsentiert mich mein Körper für die Umwelt. Doch das ist kein Grund für mich, an ihm mit bestimmter Ernährung und Training zu feilen und zu schnitzen wie an einer Skulptur. Mir gibt Sport und Diät nichts; und nur, um einigen visuell orientierten Zeitgenossen einen entsprechenden Anblick bieten zu können, ist mir die Zeit und die Mühe dafür zu schade. Eigentlich sogar eine ganz nette Lebensweise, um die Menschen aus dem eigenen Leben zu sortieren, die sich sowieso nicht die Mühe machen, hinter die Fassade zu blicken.
Mein Körper erscheint mir mehr wie ein Werkzeug: Er ist notwendig, um von A nach B zu gelangen, die Augen sehen die Welt, die Finger bedienen die Tastatur. Aber es gibt keinen Kult darum, ihm ein entsprechendes Aussehen und eine bestimmte Form zu geben. Er ist eher ein Mittel zum Zweck - zwar ein unverzichtbares, aber nur ein Mittel. Selbst beim Sex spielt sich der entscheidende Teil im Kopf ab.
Doch, mein Körper ist ein Werkzeug.
Ein Werkzeug, das ich täglich benutze.
Ein Werkzeug, bei dem es mehr auf die Funktion als auf die Gestaltung ankommt.
Ein Werkzeug, das ich (zugegeben) manchmal etwas liederlich behandle.
Ein Werkzeug, das mich wütend macht, wenn es mal wieder nicht so funktioniert, wie ich es von ihm erwarte (wenn sich zum Bespiel mal wieder seltsame Hauterscheinungen entwickeln, deren Ursache ich nicht finde; wenn meine kaputte Hand schmerzt und sich die Finger daran von selbst bewegen; wenn mein Körper bei Hitze wieder in Streik tritt).
Wenn ich mir nun vorstelle, daß in diesem Werkzeug eine Krankheit wie Krebs die Herrschaft übernimmt, wie er unaufhaltsam zerstört wird und ich nur hilflos zusehen kann ... Dann bekomme ich ein Gefühl von Kontrollverlust - der Verlust einer Kontrolle, die ich nie hatte.
18.8.02
WILLST DU POPEN?
Und langsam bekomm ich nen Hals.
Poppen, Süße, mit drei p. Eins vor dem o, zwei hinter dem o. Ist denn das so schwer?
Der Inhalt der Mail beschränkte sich dann auch auf einen Link zu einer Dialerseite und eine kurze Erläuterung der Vorzüge und sexuellen Dienstbarkeiten, die sich dahinter verbergen.
Und nun frag ich mich eins:
Hinter solchen Dialern stecken ja Firmen oder auch geschäftstreibende Privatpersonen.
Ist es dort nicht mehr üblich, bei geschäftlicher Korrespondenz auf Rechtschreibung zu achten?
Oder soll so etwas mehr Authentizität geben und erst richtig Appetit machen (Stichwort "Dumm fickt gut")?
Nennt mich ein Sensibelchen oder etwas schrullig, was das anbelangt.
Aber mich nervt der Spam an sich und dessen Menge nicht so sehr wie solche Rechtschreibknaller.
