Towandas Turbulenzen
Mai

Teil 2


17 - 19 - 20 - 22 - 23 - 28 - 30

16. (oder besser:) 17. Mai 2001:

Gibt eigentlich nicht viel Neues zu berichten, und genaugenommen verfasse ich den Eintrag heut nur als "Abmeldung" bis zum Samstag.

Denn die Heimat ruft, und mit ihr rufen
- durstige Freunde, die mit mir Biere verhaften wollen
- ein Papa, der mit dem neuen Laptop nicht klarkommt und
- eine Mama, die tonnenweise Spargel hat und ihn an arme Studentinnen verfüttern will.

Volles Programm also ;o)

Aber um für den Rest der Woche nicht nur so nen ollen "Tut-mir-leid-bin-wech"-Eintrag dastehen zu haben, könnte ich ja noch vom Highlight des Tages berichten:

Der Star-Trek-Folge!

(Nicht, daß ihr denkt, ich lebe nur für TV und das Web, aber es war halt ein fader Tag und sonst nichts Bemerkenswertes los...)

Wer die Folge kennt, liebt sie bedingungslos - es ist da, wo die Viren auf die Enterprise gelangen, die die gesamte Crew wie besoffen und zudem ganz "wuschig" machen:
Im Maschinenraum hat wer die gesamten Prozessoren ausgebaut, um damit debil grinsend Domino zu spielen und Türme zu bauen. Picard wird angeschmachtet und hat es ganz schwer, abzulehnen (Mein Gott! Was hätte ich gegeben, in dieser Szene die weibliche Hauptrolle zu spielen!!!), und ich könnte mich jetzt noch schlapplachen über die Szene mit Data. Da hat es sich ein weibliches Crewmitglied in den Kopf gesetzt, Data zu verführen und empfängt ihn minderbekleidet in der Kabine. Auf die Frage, ob er das denn könne und dafür konfiguriert sei, antwortet er:
"Oh ja! Mein Programm enthält multiple Techniken - ein breites Spektrum an Befriedigungsvariationen ... "

Es folgt ein kehliger Seufzer und die Tür schließt sich ... *fg*

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19. Mai 2001

Bin wieder da!

Etwas lädiert und mit einer kleinen Finanzspritze von Papa im Gepäck, bin in heute nachmittag wieder gelandet.
Hinter mir lagen drei turbulente Tage mit einem bunten Mix aus Weggehen, Papas Firma durcheinanderbringen (naja ... ich denk, ein bißchen eine Hilfe war ich schon ...*g*), leckerem Essen und wieder reparierter Technik.

So ein Aufenthalt "daheim" (eigentlich ist daheim ja hier ... ) bringt mich immer ein bißchen aus dem Tritt, was nicht nur am Weggehen und Trinken abends liegt. Es fühlt sich einfach komisch an, dort zu sein, wo man aufgewachsen ist - aber man ist nur Besucher.
Im Laden kenn ich mich ja schon seit dem letzten Umbau nicht mehr so richtig aus und muß Kunden in den meisten Fällen weiterverweisen oder sie mit Smalltalk bei der Stange halten, bis wer Zeit hat. Das neue Faxgerät verwirrte mich noch mehr, und Mama hab ich sicher die ganze Küche durcheinandergebracht, weil ich mich einfach nicht mehr erinnern konnte, wo diverse Töpfe und Schüsseln hingehören.
Andererseits hatte ich auch mal wieder richtig viel Zeit, mit meinen Eltern zu reden, und so altmodisch von Angesicht zu Angesicht ist das doch was anderes als per Telephon oder mail.

Trotzdem bin ich froh, jetzt wieder hier zu sein, zumal mein Bauch gerade Samba tanzt. Das liegt allerdings nicht am Essen und Trinken, und schon gar nicht an irgendwelchen roten Indianern (*zwinker zu Melody*), sondern ich nenne dieses allmonatliche Elend schlicht "meine Tage".
Also erst mal eine große Portion scharfe Nudeln gemacht, denn die machen glücklich. Nicht lachen jetzt! Es ist wissenschaftlich erwiesen, daß scharfes Essen durch den Schmerz im Mundbereich den Körper zum Ausschütten von Schmerzstillern und Glückshormonen anregt, und so wollte ich mich einfach ganz legal bedröhnen ;o)

Und schließlich war ja heute Saisonende der Bundesliga - nachdem sich in meinem Mund ein wohliges Brennen breitgemacht hatte, drehte ich also Radio an und machte mich am Sofa lang.

Daß ich als Clubberer nicht unbedingt ein Bayern-Fan bin, läßt sich leicht erraten. Für Schalke sah es ja schon schlecht aus, die Schüssel noch zu holen (die hätten gewinnen müssen und Bayern verlieren), und so hab ich meine Hoffnung schon halb in den Keller getragen. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit, als es 0:2 gegen Schalke stand, wollte ich den Rest davon noch runterbringen, da kam der Ausgleich.
Es ist nicht wirklich angenehm, wenn man immer wieder hochschreckt, während man mit Bauchkrämpfen am Sofa liegt, aber das war egal - man muß Opfer bringen. Bei Schalke zementierte sich der Sieg so langsam bei 5:3, und nun mußte nur noch der HSV den Bayern eins reinzimmern.

In der 90. Minute war es soweit.

Den Platz am Sofa hatte ich mittlerweile aufgegeben, lief hektisch durchs Zimmer, faselte was von "Is des klasse!", "Wunder gibt es immer wieder" und "Fußball kann so aufregend sein!" und hörte mir strahlend den Bericht über den Jubel der Schalker an.

Dann geschah das Unfaßbare.
Bayern verwandelt in der Nachspielzeit einen indirekten Freistoß und holt damit den Punkt, der zum Meistertitel noch fehlte.

Boooooooooooaaaaaaaaahhhhhhhhhh!

Ist das Scheiße?!

Ja, das ist es!

Der Fußballgott schien einen Gerechtigkeitsanfall gehabt zu haben, hat sich wohl just in diesen Minuten an Manchester erinnert und Tatendrang entwickelt, die blöde Sau.

Ich bin am Ende ...

Es gibt Dinge, die sollten so nicht stattfinden.
Tun es aber doch.

Bleibt nur noch zu hoffen, daß Arminia nicht noch absteigt morgen, sonst hat der Liebste morgen Stress mit Trauerbeflaggung-Anbringen.
Doch auch, wenn ich heute angesäuert und ein bißchen durch den Wind bin - ich bleibe bei meiner Meinung:

Fußball ist geil und wunderbar!
;o)

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20. Mai 2001

Außer, daß ich den Nichtabstieg von der Arminia hier lobend erwähne, gibt es hier heute nichts zum Thema Fußball ;o)

Stattdessen hab ich mir, inspiriert von Tixi und von den Tagen daheim, auch mal einen Countdown angelegt. Denn bei den Gesprächen daheim ("Was ist denn nun mit deinem Studium?" "Wann ziehst denn genau um?" "Bist du zum Wiesenfest hier?") wurde mir erst richtig klar, daß es in den nächsten 2 Monaten genau drei wichtige Meilensteine gibt:

Das Wiesenfest:
Es findet in meinem Heimatkaff statt und ist halt so ein Fest mit Futtern, Saufen, Fahrgeschäften unter dem Motto "Eine Stadt fünf Tage im Ausnahmezustand und Vollrausch" ;o)
Dieses Jahr wird es wohl die letzte Gelegenheit sein, als Fränkin dortzusein, da ich ja ein paar Wochen drauf schon nach NRW übersiedele. Und es ist wohl auch das letzte Mal in dem Jahr, wo ich überhaupt daheim bin - 500km fährt man doch nicht einfach mal so.

Prüfungen:
Mein Diplom ... von einigen Seminarscheinen abgesehen, kommen noch drei Dipl.-Prüfungen auf mich zu - und die gilt es zu schaffen, sonst ist mit dem nächsten Punkt wohl nichts:

Umzug:
Sobald die Prüfungen vorbei sind, ein Wochenende herangezogen ist, an dem ich Papas Lieferauto haben kann und Frank einen Freitag freibekommt, packe ich hier mein Geraffel, verteile es gleichmäßig auf dem Dachboden meiner Eltern und über Franks Wohnung, klatsche noch ein bißchen Farbe an die Wand und bin weg.
Dann muß nur noch das Gästezimmer und das "Rechenzentrum Herford" eingerichtet werden, und ich bin glücklich! ;o)

 

Ich weiß nicht, ob es am Mond, am Zyklus oder an dem Aufenthalt zu Hause liegt, aber gestern und heute bin ich doch recht grübelig. Hab mir ziemlich viel Gedanken über daheim gemacht und warum es mir dort so überhaupt nicht mehr gefallen will. Auslöser war wohl das Gespräch meines Vaters mit einem Kunden, der fragte, wer denn später den Laden übernehmen wird, wenn meine Eltern zu alt dafür sind.

Mein jüngerer Bruder ist gerade so in einer Phase jenseits von Gut und Böse. Zwar ist er gerade im Laden, aber er will unbedingt weg und sein Glück mit einer Lehre am Bau versuchen. Ich verwette zwar jetzt schon meinen Arsch drauf, daß er die Arbeit nach den ersten Regen- und Kältetagen am Bau verfluchen und sich nach dem beheizten Laden / Büro zurücksehnen wird - schließlich hab ich selbst mal am Bau gearbeitet und fand sowohl Wetter als auch Umgangston dort einfach nur schrecklich.
Kurz: Derzeit sieht es nicht so aus, als würde er einen Nachfolger abgeben; Es ist schon möglich, daß er die Kurve noch kriegt, aber es ist genauso wahrscheinlich, daß er was anderes machen wird.

"Und die Tochter?", fragte der Kunde dann und zeigte auf mich.
Ich erklärte ihm, daß mich die Liebe in zwei Monaten in den Norden verschlagen wird, und 500km wäre doch etwas weit bis zur Arbeit. "Ach", meinte er dann zu Papa, "die jungen Dinger müssen sich halt erst mal woanders umschauen. Dann kommt schon wieder und macht ne Chefin!"

Absehen davon, daß ich kein junges "Ding" bin:
Nein, das macht sie sicher nicht.

Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, ohne irgendwem daheim zu nahe zu treten. Ich hab schon gemerkt, als ich hierher gezogen bin, daß es daheim einfach zu ... eng ist. Ich fühle mich nicht wohl in diesem Kaff, wo es Leute gibt, die gerade mal bis zum Rand ihres Vorgartens schauen können und mit viel Mühe noch bis zum Nachbardorf. Ich bekomme da so eine Art mentale Atemnot, seelische Platzangst.
Vieles ist so festgefahren, und nach vier Jahren treffe ich Leute, bei denen sich rein gar nichts verändert hat und die mir die gleichen alten Witze und Anekdoten noch immer als neue präsentieren. Leute, die diese Stadt als Nabel der Welt ansehen und maximal noch Dinge aus der nächstgrößeren Stadt dulden können.

Nicht, daß es da nur so Leute gibt (genaugenommen sind es nur ganz wenige) - aber die, die es gibt, reichen vollkommen.

Es gibt da so viele Dinge, die man nicht machen kann, denn "Was sagen denn da die Leute?" Ich bin in der Stadt, wo Wiesenfest und Adventsmarkt die Highlights sind, einfach nicht mehr zu Hause. Ich erinnere mich noch an den Kommentar des Bürgermeisters bei der Gründungsversammlung des Kulturvereins: "Wir brauchen keinen solchen Verein - wir haben das Wiesenfest, das ist Kultur genug!" (Inzwischen ist dieser Verein eine erfolgreiche, aus dem Kaff nicht mehr wegzudenkende Institution und wird vom Bürgermeister regelmäßig gelobt *g*)

Ich will ja jetzt nicht nur lästern, und ich habe auch keine Garantie, daß es bei Frank in der Stadt nicht genauso läuft. Klar, Herford ist "ein bißchen" größer, und auch da gibt es neugierige Menschen, die sich für die Dinge brennend interessieren, die sie nichts angehen. (Highlight war der Nachbar, der Franks Schwester von dem Verhältnis berichtete, das ihr Vater angeblich hat - er hätte ihn mit "so einer Frau" hier gesehen, und das war nicht seine Frau. Ich wette mal, die Frau war jünger als er, klein, rotblond und hat sich mit ihm die Baustelle im Hof angesehen - das war dann nämlich ich *g*)
Doch in Herford kennt mich keiner von kleinauf nebst allen Familienzusammenhängen und Vergangenheit, sondern ich hab die Gelegenheit, daß mich Leute als "Nadine" kennenlernen, und nicht als "Tochter eines ortsansässigen Ladenbesitzers, den man schon als Kind kannte und bei dem man schon seit zig Jahren einkauft".

Sollte ich hier den Eindruck erwecken, daß mein Heimatkaff der schrecklichste Ort auf der ganzen Welt und Wegziehen die einzige vernünftige Entscheidung ist, so ist das falsch. Es gibt dort nicht nur Neugierde, Getratsche und festgefahrene Leute, sondern auch viele wunderbare Dinge, wie etwa den Steinbruchsee und die Sache mit der Kneipe und dem Wiesenfest, wo man immer irgendwen kennt, mit dem es dann partytechnisch rundgeht. Daher ist das Wiesenfest ein Muß, ich freu mich immer, mal wieder reinzuschauen daheim, Freunde und Familie wiederzutreffen und in Erinnerungen zu schwelgen.

Aber wenn ich dort wohnen würde, müßte ich auch das Geschäft übernehmen. Es wäre wohl undenkbar, irgendwo anders beschäftigt zu sein, und das Geschäft im Familienbesitz würde an "jemand Fremdes" übergeben ("Was sagen denn da die Leute?!")

Und damit würde ich wohl nicht glücklich.

Jeder kennt mich, das ganze Kaff weiß über mich und meinen Werdegang Bescheid; Verantwortung für ein Geschäft, in dem man 6 Tage die Woche zusätzlich zur Büroarbeit meist 10-11 Stunden täglich präsent sein muß; eine Arbeit, die man nicht einfach wechseln, sondern bis zur Übergabe weiterführen muß; die räumliche Bindung an Laden und Stadt; die Verpflichtungen, die damit verbunden sind (das Auto bei eben dem Autohändler zu kaufen, der bei einem selbst einkauft; bei jenem Verein zum Fest vorbeischauen, weil er Kunde ist usw.)

Meine Großeltern und auch meine Eltern gehen auf in dieser Arbeit, und das bewundere ich. Aber ich könnte das nicht, ich würde damit nicht glücklich werden.
Und ich bin froh darüber, daß meine Eltern das genauso sehen. Ich weiß, daß Papa es lieber sehen würde, wenn mein Bruder oder ich das Geschäft übernehmen würden. Doch ich glaube, daß er es lieber verkauft, als daß es jemand von uns halbherzig weiterführt und damit unglücklich ist.

Stattdessen unterstützen mich die beiden bei Studium, Umzug und allen anderen Plänen so gut, wie sie können.

Ein riesengroßes DANKE dafür!

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22. Mai 2001

Manche Tage sind einfach nur uneffektiv ... und gerade, wenn man mit ganz viel Euphorie die Wohnung verläßt und dann gar nichts schafft, ist das besonders ärgerlich.

Seit Januar diesen Jahres hechten wir - das sind drei Studies, die im Dezember eine Fortbildungsveranstaltung zum Thema Internet gehalten haben - der Dozentin hinterher. Denn das Semester ist in zwei Monaten zuende und damit auch das Studium, und irgendwie sind wir der Meinung, es wäre schön, mal eine Note zu erfahren.

Im Dezember meinte sie, sie müsse die Note ja erst überlegen, wir sollten im Januar mal fragen.
Im Januar trafen wir sie im Dozentengang, und noch bevor wir unser Anliegen vortragen konnten, funkelte sie uns an, als wolle sie uns zur Not auch alle drei quer, roh und ohne Salz fressen: "Sie wollen jetzt nicht wirklich einen Termin mit mir abmachen, oder?!"
Ne, besser nicht ...

Bis zum Mai hatte sie dann ein halbes Freisemester, und nun isse wieder da. Also neuer Versuch.
Nun muß aber Wolfgang an jedem Dienstag, wo ihre reguläre Sprechstunde wäre, arbeiten. Also versuche ich schon seit einiger Zeit, einen alternativen Termin mit ihr zu machen, in der Hoffnung, sie wäre nach dem Freisemester etwas entspannter und nicht ganz so hibbelig wie im Januar.
Aber - weit gefehlt!
Ihr obligatorisches "Eigentlich hab ich gar keine Zeit!" fing ich souverän ab mit "Wir auch nicht, und genau darum geht es ..." Sie verwies uns auf ihre Sprechstunde, fragte aber mich erst mal, wann die eigentlich wäre (Hä???).
"Dienstag um 9 Uhr?! Das hab ich aber blöd ausgemacht, da bin ich ja gar nicht da! Das muß ich gleich im Dekanat ändern lassen - ich hab doch gar keine Zeit..."
Danke, das weiß ich bereits.
Sie bot uns einen Termin Dienstag um 16 Uhr an. Da ist Wolfgang allerdings nicht da, aber ich werd den Termin mal nutzen, um einen neuen auszumachen.

Shizophren, oder?!

Dann gedachte ich heute Mittag mein Seminar zu besuchen, und war ausnahmsweise pünktlich. Seminarraum aber war geschlossen, wegen Wasserschaden. Also auf zur an der Tür angegebenen Raumnummer. Auf der Suche dahin noch Julia getroffen. Etwas seltsam kam es uns schon vor, daß anscheinend niemand außer uns da war, denn es war ja genau 12 Uhr, und ein paar Nachzügler kommen immer noch.
Der angegebene Raum war belegt, aber nicht von unserer Gruppe.
Da wir solche Spielchen ja bereits kennen (Organisation ist nicht die Stärke unserer Uni), grasten wir alle Räume ab, die als Alternative in Frage kommen würden, fragten im Dekanat nach, ob wegen einer Verlegung was bekannt wäre (natürlich nicht), guckten in sämtliche Innenhöfe, in die Cafeteria, und verzogen uns um halb eins schließlich gefrustet in die Mensa.
Julia war recht aufgelöst, ich eher wurschtig. Den Text hatte ich eh nicht gelesen, und ich war der Meinung, wer seine Seminare nebst Raum nicht ordentlich ankündigen kann, braucht sich über meine Abwesenheit nicht wundern.

Nachdem wir noch eine Stunde in der Cafeteria totgeschlagen hatten (um 14 Uhr hatte ich noch einen Termin), traf ich Uli auf dem Weg zum Schwarzen Brett, die mir berichtete, wir wären im Raum Zweihundertirgendwas gewesen.

GAAAAAAAAAAAAAAAANZ toll!!!!

Das ist BWLer-Revier, da bekommen wir normal NIE Räume, und niemand käme auf die Idee, da nachzugucken.
Besten Dank für die Info!

*GRRRRRR!*

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23. Mai 2001

[Hab diese Woche einen "Eintrag auf Halde" geschrieben, der sich am Montag zugetragen hat. Damit das lange Wochenende zumindest Turbulenzen-technisch nicht zu lange wird, stell ich ihn mal für heute rein ;o)]

Der kleine, schnuffelige Supermarkt um die Ecke mit relativ hohen Preisen, 80% Rentneranteil und Schlagerbeschallung ist immer wieder für eine Überraschung gut. Seit einiger Zeit hat er jetzt sein Weinsortiment ausgebaut; mit dem Ergebnis, daß der Markt jetzt zu etwa einem Viertel aus Weinregalen besteht und einen eigenen Weinbeauftragten hat.
Semi-humoröse Wortspiele wie "Wenn du mal weinen mußt, gehst dahin, die haben nen Weinbeauftragten" will ich hier mal außer Acht lassen, da ich noch etwas viel witzigeres beobachten konnte:

Neulich hatte ich die Gelegenheit, diesen Weinberater in Aktion zu erleben. Da ich auch ein klein wenig Ahnung von Wein habe, war ich doch gespannt, was der so zu berichten hatte und drückte mich bei den MoPros rum (so wurden in der ehemaligen DDR "Molkerei-Produkte" genannt, wie mir mal jemand berichtete - auch interessant *g*), während der Weinmensch ein älteres Ehepaar beim Weinkauf beriet.

Ich hörte Gemeinplätze wie "Der Italiener hat gute Weißweine, auch trockene. Der Franzose auch, aber die sind ganz anders als die italienischen...." Die Zuhörer nickten beeindruckt, und ich wollte schon weitergehen, da ich bei dieser Beratung wohl nichts mehr dazulernen konnte. Doch dann kam die Frage des Auditoriums zu einem ganz bestimmten Wein, welchen der Verkäufer beschrieb mit: "Das ist ein leichter Weißer, der ist so ... für den Sommer. Ein Wein für die Terrasse."

Aha.

Grinsend ging ich zur Kasse, zahlte die ganzen MoPros, die dank Wagenfüllens während gespanntem Lauschen etwa 50% mehr waren als sonst und überlegte mir, ob ich wohl daheim jeweils passende Weine für Küche, für vor dem Fernsehersitzen, für romantische Nächte im Schlafzimmer und auch fürs Klo hätte.

Und ganz besonders gespannt wäre ich auf den Wein, den er mir empfehlen würde, wenn ich frage: "Haben sie einen Wein für ... so am PC sitzen ... wenn ich mal wieder bis nachts um 2 Uhr im Internet bin...?"

***

So langsam sammeln sich doch einige Einkaufsgeschichten bei mir an - vielleicht sollte ich die mal zu einer Abhandlung zusammenfassen, unter dem Titel "Der heitere Einzelhandel"?! ;o)

Aber dieses Wochenende sicher nicht, denn mich besucht der liebste Mann der Welt, der feixend mein Gezappel beim Fußballgucken ertragen wird, mit dem ich Shoppen gehen werde, der am Freitag vielleicht das erste Mal in die Mensa gehen wird (muß man alles mal erlebt haben *g*) ... und wer weiß, was sonst noch alles passiert?! *lächel*

Also entschuldigt bitte meine Schreibfaulheit am Wochenende ;o)

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28. Mai 2001

Uffz ...

...ein wunderbares langes Wochenende ist vorbei, und der Alltag hat mich wieder. Ich bin ein bißchen neben der Spur, was nicht zuletzt an der Wärme hier liegt. Bis 25° mach ich ja noch alles mit, aber sobald das mehr wird, kommt mir mein Kreislauf nicht mehr hinterher. Es ist bewölkt, aber so eklig schwül, und das langersehnte Gewitter will einfach nicht kommen. Es ist ein bißchen wie in dieser einen Novelle von Stefan Zweig, "Die Frau und die Landschaft", und der Seufzer dieser Frau ist der meine:

"Wenn es doch nur endlich regnen wollte..."

Zusätzlich zu der Schwüle geht ein seltsamer Wind, der den Geruch der Mälzerei herüber- und in alle Wohnungen treibt; alles in allem fühle ich mich wie in Gelatine gegossen, die nach Malz riecht.
Bei wetter.com kann man übrigens nicht nur das aktuelle Regionalwetter nebst Regenwahrscheinlichkeit und Vorhersage abrufen, sondern bekommt bei den Details auch die "gefühlte Temperatur" genannt. Für hier und heute sind das 29° - noch Fragen?!?!
Das ist nicht wirklich die Stimmung, die dem Kostendeckungsplan, den ich noch für ein Seminar fertigmachen muß, dienlich ist - aber es muß ja, denn ich glaube kaum, daß ich morgen früh den Nerv hab, um 7 Uhr aufzustehen und das Teil fertigzumachen, damit es um 14 Uhr in präsentierbarer Form vorliegt (gut, vielleicht komme ich um 7 Uhr aus dem Bett, aber sicher nicht in einer Verfassung, die zum Arbeiten taugt....)

Mir fehlt mein Schnuffelino, der am Sonntag abend nach einem wunderbaren Wochenende gefahren ist, und Douglas Adams ist zwar toll vor dem Einschlafen zu lesen, aber doch kein richtiger Ersatz.
Ich kann es kaum erwarten, bis der Donnerstag kommt - dann hab ich anderthalb Wochen in Herford gebucht, nehme reichlich Literatur für die Prüfungen mit, renoviere ein bißchen das zukünftige Gästezimmer und erfreue mich an Franks flatrate.
(heißt es eigentlich "anderthalb Woche" oder "Wochen"?! Denn mehr als eins ist es ja, aber noch keine zwei....*grübel*)

Außerdem hab ich eine riesige Bebbe an der Lippe, was meine Gesamtlaune auch nicht wirklich bessert. Wahrscheinlich hat der Wilde-Rose-Keller, den wir am Samstag um einige Liter Bier erleichtert haben, seine Krüge nicht richtig gespült ...auf sowas reagiert meine Haut nebst Immunsystem absolut zickig *grummel*

Ach so ... für Nicht-Franken:
Eine "Bebbe" ist eine Herpes-Blase ;o)

Natürlich ist meine Mini-Tube Zovirax grad leer, und ich mußte therapietechnisch auf Zahncreme ausweichen - geht genauso und ist deutlich günstiger. Noch nie verstanden hab ich, warum die Zovirax-Tuben so klein sind, daß sie fast immer leer sind, wenn man sie denn braucht, oder gerade verschwunden, oder beides.
"Beides" ist allerdings nicht so schlimm, denn wenn eine Tube verlorengeht, die sowieso leer ist, ist das durchaus zu verschmerzen. Natürlich müßte man vorher gewußt haben, daß die Tube leer war, sonst hofft man ja noch, sie zu finden und ärgert sich dann noch mehr, wenn die Tube leer ist ...

Waaaah!

Was schreib ich hier eigentlich für nen Blödsinn?!
Das kann man ja niemandem antun!

Ich nehm mir jetzt wohl besser ein Stück vom Rhabarber-Baiser-Kuchen und mach den Kostenplan - das scheint mir für alle Beteiligten das Beste zu sein ;o)))

Schöne Woche Euch noch!

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30. Mai 2001

Der Tag begann mit einem Alptraum, dem gleich der nächste folgte.

Entweder hat mich Simones surrealistische Computervision so durcheinandergebracht, oder es war der Bericht über WAP-Portale und die veränderten Anforderungen, die sie an Designer stellen.
Jedenfalls träumte ich, daß ich alle Webseiten, die ich bisher entworfen habe, umarbeiten mußte, weil aus unerfindlichen Gründen 13-Zoll-Monitore wieder in Mode waren - und entsprechend eine Auflösung von 600x480 ... *grmpf*

Da wäre es mir doch lieber gewesen, bis 5 Uhr wachzuliegen wie Anne, statt so einen Unfug zu träumen. Doch das Drama am nächsten Morgen hätte das wohl auch nicht aufgehalten.

Denn da war es mir unmöglich, meine Kontaktlinsen in die Augen zu fummeln - kaum waren die Teile drin, fingen die Augen an zu tränen und zu brennen. Also mal wieder auf Brille umsatteln, was ich sehr ungern tue. Nicht aus Eitelkeit (vor abends mußte ich eh nicht außer Haus, und wie ich mit Brille ausseh, weiß ich und muß mich nicht schämen). Das Problem ist, daß ich WIRKLICH kurzsichtig bin (7 Dioptrien aufwärts mit über 2 Dioptrien Unterschied zwischen den Augen - ich stamme also wohl in direkter Linie vom Maulwurf ab).
So macht die Brille erstens eine ganz andere Optik als die Linsen und zweitens ziemlich duselig, weshalb ich auch nur in Notsituationen zur Brille greife (noch ein bißchen lesen vorm Einschlafen, wenn man zu faul ist, die Linsen nochmal reinzufummeln, oder wenn sowohl Linsen als auch Ersatzlinsen kaputt/ nicht einsetzbar sind).
Wie gesagt, ich mag die Brille nicht, brauche sie nur ganz selten, daher lohnt es auch keine neue - und ich vermute, daß das Schwindelgefühl, was die Brille auslöst, auch der Grund dafür war, daß ich vor drei Jahren mal unvermittelt in Ohnmacht und mit dem Hintern voraus in den Meerschweinkäfig gefallen bin - doch das ist eine andere Geschichte ;o)

Nach einer Stunde morgendlichem Brillendusel wollte ich den Kontaktlinsen noch einen Versuch gönnen, als das Telephon klingelte und Origami mich mit einem Anruf überraschte. Wir hatten schon so lange nicht mehr miteinander telephoniert, daß ich ihre Stimme am Anfang gar nicht erkannte *lol*, und so hatten wir entsprechend viel zu erzählen.
(Grüßlis und nen dicken Knuddel an Dich, Ori, die Du bestimmt wieder mitliest ;o))

Das optische Umrüsten verzögerte also bis Mittags, und die Wirkung der Linsen war im wahrsten Sinne des Wortes "umwerfend" ... Ich beschloß, mich erstmal absturzsicher am Rechner zu verankern und hoffte drauf, daß sich der Spuk mit meiner drehbaren Wohnung in ein-zwei Stunden wieder legen würde.

Nach zwei Stunden wich das Schwindelgefühl und hinterließ lediglich Übelkeit und - eine ganz schreckliche Knatschigkeit und Mauligkeit. Sowas hab ich wirklich noch nie erlebt: Jede Kleinigkeit nervte mich, den Mietern unter mir hätte ich am liebsten brüllenderweise erklärt, was genau der Zweck und der akustische Vorteil einer Türklinke ist; daß vor meinem Fenster so dermaßen viel Wespen summen, war mir noch nie aufgefallen; die Red-Zac-Werbung ging mir so auf den Geist, daß mich nur meine Trägheit davor bewahrte, den Fernseher aus dem Fenster zu werfen; noch nicht mal an Star Trek hatte ich annähernd Freude.

Irgendwie mußte ich mich wieder auf die Reihe bekommen, denn um 18 Uhr sollte ich zum Seminar fahren. Nichts wirklich wichtiges, aber teilnehmen wollte ich schon. Doch auch der Fall hatte sich erledigt, denn als ich meine Sachen suchte, setzte nicht nur ich mich, sondern auch meine Wohnung wieder in Bewegung, und der Druck im Kopf fühlte sich an, als wolle mein Gehirn den Kopf durch die Ohren verlassen. In der Situation erschien es mir doch klüger, meine Rotation und Knatschigkeit mit mir allein auszumachen als auf dem Weg zum Seminar noch überfahren zu werden, gegen einen Laternenmasten zu rennen oder meine Hirnmasse undekorativ auf dem Trottoir zu verkleckern - schließlich will ich morgen Mittag möglichst vollständig bei Frank ankommen.

Ich beschloß, mich um meine Reisetasche für morgen zu kümmern, entwickelte eine nahezu übermenschliche Big-Diet-kann-mich-mal-Ätsch-Trotzreaktion, rückte meiner miesen Laune mehr oder weniger erfolgreich mit einem Doppelpack Landliebe-Pudding zu Leibe und bejahte innerlich den Werbespot "Es gibt Situationen im Leben, wo man einen Landliebe-Sahne-Pudding braucht" mit einem lauten "Wenn nicht jetzt - wann bitte dann?!"

Und wer jetzt denkt, daß das ja wohl wieder mal so ein typischer Tagesablauf einer Frau sei, mit allen klassischen Zeichen wie Unpäßlichkeit, Gereiztsein, Herumzicken und riesigem Verlangen nach Kalorien, dem halte ich drohend die Finger unter die Nase und lasse maximal den Sahnepudding-Schmacht als Tatsache stehen. Denn eigentlich liebe ich nichts mehr als Ruhe und Ausgeglichenheit; unerfindliche Stimmungsschwankungen und Zickentum sind mir fremd, und ich hasse es, wenn mich mein Körper sabotiert.

Auch, wenn es eine meiner Lieblings-Sendungen ist, stehe ich doch weniger Ally McBeal nahe, sondern bevorzuge Mister Spock.

In diesem Sinne - lebt lang und in Frieden ... und in gelassener Ausgeglichenheit ;o)

* * *

P. S.: Das die Sat1-Spätnachrichten zu weitergehenden Informationen wortwörtlich auf ihre "Internet-Homepage" verweisen, entlockt mir immer wieder ein Schmunzeln - wo sonst sollte eine Homepage denn sein? ;o)

P.P.S.: Diese Milane Fernandez, die von Dieter Bohlen entdeckt wurde und auch auf der Vorentscheidung zum GrandPrix auftrat, gibt es jetzt auch als Video mit ihrem Titel "Boom-Boom" (oder so) und ist auch auf diversen CD-Sampler-Werbungen zu bestaunen.
Geht es nur mir so, daß ich bei dem Video automatisch an Päderasten, Babystrich und Kinderpornos denke?!

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Archiv Juni - Teil 1

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