Towandas Turbulenzen

Teil 1


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02. Juli 2001

Angekommen in Lummerland...

Der Besuch "daheim" war recht witzig. Da mein Opa Geburtstag hatte, war ich seit ewigen Urzeiten mal wieder bei den Großeltern und der ganzen Sippe im Nachbarkaff. Meine Mutter hat noch immer den Zwang, sämtliche verfügbaren Früchte in Alkohol zu werfen, und so hatte ich die Ehre, eine Ladung beschwipste Himbeeren nebst Flüssigkeit in einem überdimensionalen Cognagschwenker auf der Hinfahrt irgendwie überschwappsicher zu balancieren - das Leben hält eben immer wieder neue Herausforderungen bereit *g*

Auf dem anderen Fest hab ich bereits verschollen geglaubte Bekannte wiedergetroffen, x-mal meine Übersiedelungspläne geschildert, reichlich Bier gekostet und viel gelacht. Laut, hektisch, hibbelig und verworren war es, und ich weiß nicht, ob das am leckeren Lagerbier oder an Lummerland lag - irgendwas mit L war es jedenfalls.

Auch auf der Zugfahrt konnte ich wieder tolle neue Erfahrungen sammeln. Während ich im popeligen RE von einer über das Normalmaß hinaus funktionierenden Klimaanlage überrascht und schockgefrostet wurde, gab es im ICE nur eine defekte Klimaanlage und etwa 30°. Als die Eisverkäuferin kam, vermutete jemand vor mir, daß die die Klimaanlage so lange auf heiß stellen, bis sie genug Eis verkauft haben - eine Spekulation, die ich für gar nicht so weit hergeholt halte.
Aufs Lesen konnte ich mich nicht konzentrieren. Bei meinen Bemühungen, so wenig wie möglich zu schwitzen, fielen mir die Augen zu und ich hatte eine Vision: Drei fies grinsende Zugbegleiter hielten mich und die anderen Passagiere in so einer Art Grillzange über eine schwelende Hitze, die von kokelnden Klimaanlagenersatzteilen erzeugt wurde. Erst, wenn man versprochen hatte, für mindestens zehn Mark Eis zu kaufen, wurde man aus dieser Lage befreit und durfte für eine Stunde in einer Tiefkühltruhe sitzen, die aussah wie ein Regionalexpress. Wem es dort dann zu kalt wurde, der kam wieder zurück auf das ICE-Feuer und so weiter...

Als ich letzte Woche die genaue Zugverbindung ausgedruckt hatte, war mir schon klar, daß das alles ziemlich hektisch werden würde: Dreimal umsteigen mit den Anschlußzügen jeweils mindestens drei Gleise weiter und dafür nur zwischen sieben und zwölf Minuten Zeit. Mittlerweile habe ich da ja Routine und weiß, daß die Anschlußzüge meist warten, doch etwas wohler war mir doch, als der Feuer-ICE die fünfminütige Verspätung wieder wettgemacht hatte, als er in Göttingen war. Bedauerlicherweise mußte er zwischen Göttingen und Hannover nochmal unvorhergesehen auf freier Strecke halten, kam zehn Minuten zu spät an, und die Meldung, daß alle Anschlußzüge erreicht werden bis auf den IC auf Gleis 12, brachte mein Herz auch nicht zum Singen - denn der auf Gleis 12 war meiner!

Wohlgemerkt: war.

Ich verstehe nicht, warum Züge nicht noch 5 Minuten warten können, wenn sie so oder so nie pünktlich ankommen, aber das half mir in dem Moment auch nicht weiter und ich begann am lauschigen Bahnhof von Hannover, mit einer megaschweren Reisetasche voller Prüfungsliteratur und Klamotten für zehn Tage beladen, nach Anschlußzügen zu forschen.
Herford war erst in zwei Stunden wieder dran, aber nach Bielefeld fuhr gleich eine Viertelstunde später ein IC. Also Frank angerufen und nach BI beordert, mit anderen Fahrgästen noch erfolglos versucht, einen außerplanmäßigen Halt in Herford auszuhandeln (O-Ton Zugführer: "Das interessiert mich nicht, wenn der zu spät kommt, deswegen kann ich nicht halten!") und eingestiegen im trügerischen Glauben, nun würde alles gut.

Doch netterweise wurde ich von der Kontrolleurin darauf hingewiesen, daß mein Ticket nur bis Herford gilt. Meine Anmerkung, daß ich da auch hinwolle und nur aufgrund des verspäteten Zuges unfreiwillig hier sitze, erwiderte sie mit "Aber dieser Zug ist nicht freigegeben!"
Es interessiert mich nicht, welche bürokratischen Hürden erst überwunden werden müssen, damit ich mein Ticket nutzen darf - ich will zu Frank, und das schnell. Ich erklärte ihr, daß ich ansonsten zwei Stunden hätte warten müssen, und nach fünf Stunden Zugfahrt hatte ich darauf keine Lust mehr. Daraufhin meinte sie, daß sie ne Ausnahme macht, aber in Zukunft solle ich darauf achten, welche Züge "freigegeben" seien.

WIE BITTE????

Ich hoffe doch schwer, daß mir sowas in Zukunft nicht mehr passiert! Und als anspruchsvolle Endverbraucherin bin ich der Meinung, die Bahn solle sich bei mir entschuldigen, wenn ich ohne eigenes Versehen eine Verbindung nicht so nutzen kann, wie ich sie gekauft habe! Denn: Ich habe den Zug nicht verpaßt, weil ich am Bahnsteig zu lange in der Nase gebohrt habe, sondern es wurde hochoffiziell bestätigt, daß dieser Zug schon weg ist. Und ich habe bezahlt, um gegen halb vier in Herford anzukommen - und nicht zwei Stunden später und auch nicht 15 Kilometer weiter in Bielefeld.
Die Bahn klaut mir also fast eine Stunde mit Frank und muß sich dafür weder entschuldigen noch Ersatz bereitstellen oder Aufwandsentschädigung zahlen, sondern darf mich noch anblöken, weil ich in einem "nicht freigegebenen" Zug sitze (was immer das sein mag). Würde mich ja interessieren, was los wäre, wenn man durch so eine Verzögerung einen wichtigen Termin und Geld verpaßt ...

Ziemlich geschafft und genervt kam ich also an und bemerkte beim Duschen, daß ich vom Schleppen der Reisetasche breite dunkelrote Striemen auf der Schulter hatte. Schade, daß ich keine Webcam hab, der Anblick ist grandios.
Hab mit Frank beschlossen, daß schulterfrei und ausgeschnitten bei den nächsten Auftritten außer Haus tabu sind - ich hab keine Lust, daß irgendjemand Spekulationen über unsere Gewaltbereitschaft oder sexuellen Vorlieben anstellt... *g*

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04. Juli 2001

Ich bin mir sicher, daß das heute ein ganz zerfusselter Eintrag werden wird. Schließlich springe auch ich in Gedanken von einem Punkt zum anderen und hab gar keinen Plan, was als nächstes zu tun ist. Bis gestern nachmittag hab ich an dem Fall für die Theorienprüfung gearbeitet. Aber es ist seltsam, sich darüber alleine Gedanken zu machen statt in der Arbeitsgruppe. Man sollte meinen, daß drei Leute durcheinanderer (wow - das Wort erkläre ich zum Komparativ des Tages!) arbeiten als einer allein, aber ich hab es auch allein geschafft, mich zu verzetteln, glaub ich, und warte noch auf Rückmeldungen und Schimpfen unserer Task Force.

Meine Vorbereitungen für die anderen beiden Prüfungen beschränken sich derzeit auf Hin- und Herschieben von Material und Früh-Aufstehen-Trainieren - bei 7.15 Uhr bin ich schon angelangt. Sei still, du arbeitende Bevölkerung dieser Republik, ich will hier nichts von faulen Studenten hören! Es ist nämlich nicht so, daß ich den ganzen Tag nur rumgammele; Wenn ich mir meine Zeit frei einteilen kann, stelle ich im Sommer wegen der Hitze immer auf Nachtschicht um. Die beiden schriftlichen Prüfungen sind aber um 9 Uhr, das Colloquium sogar schon um 8.30 Uhr - da muß ich um 6 Uhr raus, mein Sprachzentrum braucht mindestens zwei Stunden Vorlauf ... *g*

Zu all dem Chaos hat Franks Mama auch noch beschlossen, das Gästezimmer bereits VOR meiner Ankunft zu renovieren. Das wollen sie nächste Woche machen, wenn ich schon wieder weg bin. Ich hoffe, sie ist mir deshalb nicht böse (irgendwie hatte sie mich wohl schon einkalkuliert) - aber jetzt sind Prüfungen an der Reihe, und ich hätte kein Problem damit, das Zimmer erst im August herzurichten ...
Na, egal, ich kann mir auch nicht immer anderer Leute Köpfe zerbrechen, auch wenn es um "mein" Gästezimmer geht.

Ein bißchen wehmütig wurde ich, als ich gestern erfuhr, daß Netaddress ab August kostenpflichtig wird. Mönsch, meine Adresse da war meine allerallererste Email-Adresse seit irgendwann im Herbst 1998. Hihi, wenn ich überlege, wie unbeholfen ich da im Netz rumgestolpert bin ... es kommt mir vor wie eine Ewigkeit und fühlt sich ziemlich sentimental an. Doch diese Nostalgie ist mir keine 30 Dollar pro Jahr wert, und so ging heute eine Rundmail mit dem Verweis auf die web.de-Adresse raus.

Nachdenklich hat mich Maloramas Eintrag gemacht, der sich nach Jahrzehnten bei einer "gemobbten" ehemaligen Klassenkameradin entschuldigt hat. Ich weiß nicht, ob ich die Größe besessen hätte, oder ob ich nicht doch den einfacheren Weg a la "wir waren halt jung, und jetzt sind wir erwachsen und wissen doch beide, daß Kinder solchen Unfug machen" eingeschlagen hätte.
Engelbert hat die andere Seite, die Seite des Verlierers sehr bewegend geschildert, und ich grüble, wer in meiner Schulzeit in dieser Rolle war. Und was war ich damals? Fertiggemacht wurde ich nicht, ich war kein Opfer. Zu den Allerbeliebtesten habe ich nicht gezählt. Ein Täter war ich auch nicht. Vielleicht einer der vielen Dulder. Bin mitgelaufen, weil ich Angst hatte, der Makel des Schwachen könnte auf mich überspringen, wenn ich zu stark Partei ergreife.
...

Vielleicht sollte ich mich doch wieder an die Arbeit machen. So wichtig Herzensbildung auch ist, das Grübeln über die Vergangenheit hilft mir bei der Politikklausur sicher nicht weiter.

Ich schließe einen Vertrag mit mir: Ich setze mir einen Meilenstein für heute, und wenn ich bis dahin gekommen bin, dann darf ich in der Zeit, die noch übrig ist, Pizza Connection zocken ;o)

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06. Juli 2001

Es ist heiß. Es ist verdammt heiß.
Der Literaturbrummer nannte dieses Gefühl in einem Juni-Eintrag "gelatinous" - berechtigterweise.

Alles in Allem fördert die Hitze weder meine Lernmotivation noch mein logisches, strukturiertes Denkvermögen, versetzt mir aber ein schlechtes Gewissen, wenn ich das Buch mal wieder in die Ecke pfeife, weil die Buchstaben so gar nicht in einer Reihe stehen wollen und die Zeilen lustig auf- und abhüpfen.
Sieben Tage bis zum Colloquium (Lernpensum bisher 50%), zehn Tage bis Theorieprüfung (70% geschafft) und zwölf Tage bis Politik (noch nichts außer drei Stunden Copy-Shop und komplettes Material gesichtet). So langsam stellt sich eine leichte Panik ein, die sich gestern nacht in einem Albtraum äußerte:

In aller Herrgottsfrühe lande ich im bekannten Prüfungsraum zur Politikprüfung. Mir ist etwas mulmig, denn so richtig viel getan habe ich nicht. Ich bin in etwa so gut vorbereitet wie für Psychologie im letzten Semester, da hab ich trotz Erkältung und Fieber die Drei geschrieben, und die rechne ich mir hier wieder aus.
Zumindest, bis die Aufgabenstellungen verteilt werden.
Ich hocke vor meinen Blättern und frage mich, ob ich überhaupt im richtigen Prüfungsraum bin, denn es werden Gedichte abgefragt, und einige vorgegebene Werke sollen hinsichtlich Versmaß, Metrum und Metaphern durchsucht werden. "Halt! Ich wollte doch was zu Sozialwirtschaft und Kommunalpolitik schreiben! Und wenn schon Literatur, dann doch keine Lyrik - ich bin bekennende Prosatrulla!", will ich rufen, aber es steht eindeutig der Politik-Prof als Aufgabensteller auf dem Angabenblatt.
Spätestens da ist mir klar, daß ich in den Vorlesungen etwas Grundlegendes verpaßt haben mußte, denn alle anderen sind definitiv aus meinem Semester, kritzeln emsig und scheinen sich auszukennen, während ich mir überlege, ob es denn sehr schlimm ist, erst im Januar mit dem Studium fertigzuwerden ...

Vorgestern sind wir durch Herford getaumelt. Eigentlich wollten wir bummeln und eigentlich bin auch nur ich getaumelt. Es ist ein Glück, daß ich Frank dabeihatte, der mich irgendwie wieder ins Auto verfrachtete. Alleine wäre ich wohl entweder mitten in der Stadt umgekippt oder die Belegschaft vom Telekom-Laden hätte um 20 Uhr die Polizei gerufen wegen einer kleinen rothaarigen Kundin, die sich standhaft weigert, den Laden zu verlassen und innige Loblieder auf die Klimaanlage singt *g*.

***

And now for something completely different...

Kaum ein Wort zum Tod von Hannelore Kohl von mir.
Nicht, weil es mir unwichtig wäre - tatsächlich hat mich diese Nachricht gestern sehr erschreckt und nachdenklich gemacht. Sondern weil ich nichts darüber weiß.
Wie ging es ihr? Wann hat sie diesen Entschluß gefaßt? Wie hat sie sich umgebracht? Hatte Helmut eine Geliebte? War sie einsam oder wollte sie niemanden sehen?
Was weiß ich schon davon ... Ich wünsche mir nur, daß die Presse diskret mit den Details umgeht und nicht im Dreck wühlt. Ob Hannelore Kohl nun eine großartige Frau war oder nicht - niemand verdient diese Schlammschlachten und das Breittreten von Intimitäten. Und die Entscheidung, nicht mehr leben zu wollen, ist intim.

***

Melody schreibt über tatschende Männer und sich-das-gefallen-lassende-Frauen (Ein heftiger Applaus für den Kinnhaken und den Spinnenschrei *g*).
Wow, was ein Thema ...
Seit gestern grüble ich, wie ich meine Gedanken dazu in eine leserliche, unterhaltsame Form bringe, die etwas mehr als eine reine Assoziationskette ist. Aber mein Gehirn wirft Blasen vor Hitze, und in einigen dieser Blasen findet sich sogar das Thema wieder.

Blase 1:
Die Basics-Blase ...
In meiner Familie war es nie üblich, sich um den Hals zu fallen. Selbst, wenn meine Eltern aus dem Urlaub zurückkamen oder ich nach längerer Zeit mal wieder nach Hause, reichte ein Händedruck. Nicht, daß wir uns nicht nahestehen würden, aber wir drücken das anders aus - es paßt einfach.
Umso verwunderlicher ist es, daß es Menschen gibt, denen ich einfach so um den Hals falle. Bei alten Bekannten habe ich mir da noch nie drüber Gedanken gemacht, richtig bewußt wurde mir das erst, als das mit den Chattertreffen losging. Eigentlich wildfremde Menschen (aber auch wieder nicht) und ein Rumgeknuddel, wie es heftiger nicht sein könnte ... *schmunzel*
Und auch da - paßt es einfach.

Blase 2:
Da war dieser Promo-Typ im Einkaufszentrum, der mir eine Wasweißichwas-Karte (Rabatt/Telephon/Kredit) aufschwatzen wollte. Zu diesem Zweck titschte er mir an die Schulter und meinte: "Hi! Hast du dir schon mal überlegt, wie ...[Promo-Geschwafel]...?"
Das war der Moment, an dem ich ihn am liebsten an der Krawatte gezogen hätte. Klar, mein Wollpulli ist megaflauschig und lädt geradezu zum Anfassen ein (öffz ... Wollpullis ... gab es hier mal eine Zeit, zu der man sowas getragen hat? Unvorstellbar...).
Aber wir sind hier nicht in der Perwollwerbung, und wer mir was verkaufen will, muß mich dazu nicht angriffeln und schon gar nicht duzen.
Schade eigentlich, daß ich zum An-der-Kravatte-Reißen zu gut erzogen bin ...

Blase 3:
Mein Arbeitsleben auf dem Bau Teil 1
Ich hatte keinerlei Probleme damit, schnaufend mit meiner Werkzeugkiste am Eingang der Baustelle zu stehen und den Maurer/Fliesenleger/Maler freundlich zu grüßen - meist hatte das zur Folge, daß meine Kiste schwuppsdiwupps per Manneskraft (ne - das Wort heißt eigentlich was anderes, oder?!) zum Arbeitsplatz drei Stockwerke höher gelangt.
Dabei hab ich mir keinen Zacken aus meiner Emanzipationskrone gebrochen, meine Arme hingen nicht bis in die Knie und der Handwerkerkollege konnte seine Höflichkeit unter Beweis stellen.
Das ist solange okay, wie ihm für diese Hilfe ein Dankeschön und ein Lächeln genügt und er weder die Machospruchmaschine anwirft oder sexuelle Dienstbarkeiten verlangt (und das geschah nie).

Blase 4:
Mein Arbeitsleben auf dem Bau Teil 2 - Allein unter Männern
"Kollegenschwein" - das Wort fällt mir ein, ist aber gänzlich falsch, da es aktive Täterschaft impliziert, der Mann aber selbst Opfer ist/war.
Alkoholiker, Single, kräftiger megafleißiger Arbeiter, flinke Finger und kein Führerschein. Daher mußte ich mit ihm öfters auf Baustelle fahren.
Es braucht gewisses Geschick, Arbeitsabläufe so zu planen, daß man sich weder mit dem Hintern noch mit der Brust in seiner Reichweite aufhält. Meistens ging es, und wenn es mal nicht ging, kann man ihn so laut zurechtweisen, daß es der andere Kollege oder der Meister mitbekommt. Dieser hatte ihn wegen der Griffelei zwar schon öfter angesprochen, aber das Hirn war wohl vom Alkohol bereits so durchweicht, daß diese Ermahnungen maximal eine Woche vorhielten - entlassen konnte er ihn nicht, weil er wirklich ein Arbeitstier war und wohl nur durch zwei neue Stellen zu ersetzen gewesen wäre.
Einmal hab ich ihn fast von der Leiter geschubst, als er vor mir runterstieg, die Gelegenheit zum Anfummeln nutzte und ich blind und panisch nach unten trat. Das hielt dann zwei Wochen vor.
Andererseits war er auch wirklich lieb, wenn es darum ging, mich vor anderen Kerlen zu schützen und drückte mir vor Aufträgen in dubiosem Umfeld sein megabreites Stemmeisen in die Hand (frisch geschliffen fühlt man sich damit tatsächlich ein wenig wie eine Kriegerin). Das macht die Sache zwar nicht wieder wett, zeigte mir aber, daß er sich durchaus ein bißchen Gedanken machte - wenn er auch die Wirkungen seines eigenen Handels nicht ganz abraffte, doch daran war wohl auch der Alkohol mit schuld.

Mittlerweile bin ich nicht mehr auf dem Bau, der Kollege hat eine Entziehungskur gemacht und soll sich total geändert haben, ist nicht mehr bei der Firma, sondern lebt mit einer Frau zusammen irgendwo in Hessen.

Eines ist sicher:
Bevor ich auf den nächsten Trottel treffe, der dumm an mir herumgriffelt, versuche ich noch ein paar Weisheiten für die Prüfung in mein matschiges Hirn zu bekommen.

P.S.:
Keine Schelte von unserer Prüfungs-Task-Force gestern, sondern eine Mail mit ordentlich strukturiertem Beispielskript (natürlich nicht von uns, war eh klar). Text hochmotiviert nach dem Motto: "Der eine hatte Kopfweh, der andere keine Lust, daher haben wir gestern nichts gemacht und beizeiten wieder aufgehört."
Hast ja recht, Wolfgang: Zu dritt geht das besser, und nächste Woche ist noch Zeit und weniger Temperatur - ab in die Sonne mit dir ;o)

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07. Juli 2001

"Wundäääääähhhr gibt es imma wiedaaaaaaa ...",
trällerte ich gestern nachmittag laut am PC.

Der Grund:
Ich hatte nichts, aber auch gaaaar nichts lernen können, war erfüllt mit schlechtem Gewissen und Panik, bis mich die Mail eines Studienkollegens erreichte. Er käme zum "Schnorren" von Material fürs Colloquium; wenn ich denn schon etwas hätte, solle ich es ihm mailen, damit er es den anderen aus dem Schwerpunkt zur Verfügung stellen könne. Im Austausch dafür gab es 2/3 des Materials, das ich noch mühsam hätte aus einem Berg Literatur herausfischen müssen - dafür klatsche ich doch gern sieben Word-Seiten als Anhang an eine Mail! ;o)))

Nach zwei Stunden Taumeln durch Bielefeld, was mir nicht vorkam wie eine Stadt, sondern eher wie die Sahara, haben wir auch ein Geburtstagsgeschenk für Franks Mama gefunden - nie hätte ich gedacht, daß es einen so glücklich machen kann, einen Tortenheber zu kaufen ...

Somit kann ich guten Gewissens ins Wiesenfest starten. Allerdings wurde gar schau(d)erhaftes Wetter gemeldet, und ich spiele schon mit dem Gedanken, den Montag zugunsten von trockenen Füßen und Prüfungsvorbereitungen in Bamberg zu verbringen.

Mal sehen ...

Ich bin jetzt jedenfalls wech - ein wildes Wochenende Euch, tut nichts, was ich nicht auch tun würde ;o) - bis nächste Woche!

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09. Juli 2001

Wieder in BA.
Brummschädel gar nicht erst aufkommen lassen, den Anton aus Tirol im Ohr erfolgreich gegen Independent Lovesong getauscht und versucht, die Reisenotizen zu entziffern - zusätzlich zum Früh-Aufstehen sollte ich für die Prüfungen noch Mit-der-Hand-Schreiben üben; ich erinnere mich dunkel, vorletzte Nacht den Stift recht befremdet in der Hand gehalten zu haben und meine, ich hätte beim Schreiben verzweifelt nach der Return-Taste gesucht.

Na denn, ein paar mühselig transkribierte Gedankenschnipsel vom Wochenende für Euch ...

Am Samstag bei Regen und Gewitter ins Bierzelt verzogen, dem Bierbank-Hopping nur zaghaft gefrönt. Bei nachlassendem Regen die Bar aufgesucht und mit Holländer über Fremdsprachen und Singen unterhalten. (Vor fast zwanzig Jahren wurde nämlich einst durch den Festzug eine holländische Bläsertruppe vom Weiterfahren abgehalten. Warten war ihnen zu doof, als ausgestiegen, Instrumente geschnappt und einfach mitmarschiert. Seitdem sind sie eigentlich immer dabei.) Das Titellied von Alfred Jodokus Quak auf holländisch gewünscht und gesungen bekommen, Erstaunen beim Schließen der Bar, daß ich ohne Nachzudenken in die Fluch-Orgie der Holländer mit einstimmen konnte und kleines Augenzwinkern derselben; ich hätte mir aus dem Kurs wohl die wichtgsten Dinge gemerkt ;o)

Ein Mann fliegt mir schwungvoll und mit erwartungsvollem Blick um die Hüfte.
"Wer bissn du?"
"Jemand, der seine Grenzen weiß, und du übertrittst sie soeben."
"Schulligung ... darf ich dir was ausgeben?"
"Vielleicht ist dir aufgefallen, daß ich grad nen Sekt hierhab."
"Oh. Dann hast vielleicht wenigstens Feuer?"
Grinsend und mit einem "Kömmer machn" geb ich ihm Feuer und seh ihn taumelnd seiner Wege ziehen.

Mein Bruder war hochbegeistert, mich zu sehen und wollte gern mit mir nach Hause laufen. Ich habs bis heute noch nicht so ganz kapiert, aber er schien ein Alibi gegenüber seiner Freundin zu brauchen. Er hatte wohl ein schlechtes Gewissen, denn hämisch bemerkte er, daß ich mit anderen Männern "rummache". Auf mein "Wie bitte?!" erklärte er mir, ich habe den einen ja umarmt (er meinte damit einen Uralt-Bekannten, wir haben uns ewig nimmer gesehen und daher erst mal geknuddelt). Als ich diesem das erzählte, meinte er, ich solle meinem Bruder sagen, da ist nichts; denn ich habe ihn umarmt, und er hat zurück-umarmt, das hebt sich gegenseitig auf und dann war da nix (ah so ... )
Ob nun die beste Freundin der Freundin des Bruders, die angeblich auf ihn scharf ist, was mit dem schlechten Gewissen zu tun hat, konnte ich nicht herausfinden, da mein Bruder mir auf dem Nachhauseweg immer drei Geschichten gleichzeitig erzählte und seine Fähigkeit, Sachverhalte logisch und nachvollziehbar zu schildern, an diesem Abend ziemlich gelitten hatte. Vor dem nächsten Mittag hab ich ihn auch nicht mehr gesehen, und danach sah er nicht wirklich brillant aus *g*

Der Sonntag war kürzer, alkoholfreier und lustiger. Daß man mit Seifenblasen so viel Spaß haben kann, wußte ich gar nicht. Wir machten eine ganze Menge: große, kleine, welche mit Rauch drin, wobei die Frage aufkam, ob man auch Töne hineinpacken könne und ob die dann genauso rauskommen wie der Rauch, wenn die Blase zerplatzt, und aufgrund der guten Thermik (die Blasen stiegen eeeewig weit hoch) wollten wir doch wissen, wie wohl die NASA auf Seifenblasen im Weltraum reagieren würde.

Den Einstieg zur Bar hatten wir verpaßt: Als wir drüben waren, sahen wir nur rotzbesoffene Gestalten. Entweder waren die Leute gestern nüchterner oder wir betrunkener. Mein Cousin erzählte mir wirre Geschichten und fragte - unvermittelt ohne jeglichen Zusammenhang - nach meiner Oberweite. Dieses Ratespiel ließ ich mir noch gefallen, aber einen manuellen Konsistenztest lehnte ich vehement ab. Das störte ihn nicht weiter, denn viel lustiger fand er es, seine eigenen Brustwarzen mit denen eines Kumpels zu vergleichen.
Na, mal nicht dieses Spiel "Wer hat den Längsten" sondern ein "Wer hat die festeren" - auch nicht schlecht.

Ich bin froh drum, heute nicht den Kopf dieser Leute durch die Gegend tragen zu müssen, gedenke ein wenig wehmütig aller, die heute abend den Wiesenfest-Chillout zelebrieren und stürze mich mal wieder auf die Prüfungsvorbereitungen ...

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11. Juli 2001

Waaaaaaaah!

Die Tage teilen sich auf in hochproduktive Phasen und absolute Durchhänger; Zuversicht a la "Das haben schon Dümmere vor mir geschafft!" wechselt mit verzweifeltem "Das schaff ich nie und nimmer!"
Drei Stapel mit Material liegen säuberlich nach Thema getrennt auf dem Fußboden, und ich wünschte mir, in meinem Kopf ginge es nur halb so ordentlich zu. Es muß das letzte Mal in der Pubertät gewesen sein, daß ich so durcheinander war, und zum Glück hat dieses Elend in genau einer Woche ein Ende.

Neueste Mode hier übrigens und auch nicht zur Besserung meiner Laune tauglich:
Zerbrochene Flaschen auf Radwegen. Nicht nur so ein bißchen kleine Splitter, sondern eklig große und hochragende Scherben. Seit ich eines Nachts auf dem Heimweg von der Arbeit mal im Dunkeln über so ein Teil geheizt bin und in die Ehre kam, mein plattfüßiges Rad mitten in der Nacht durch die halbe Stadt zu schieben, reagiere ich auf so etwas böse allergisch. Klar kann es mal passieren, daß einem die Flasche runterfällt und kaputtgeht. Aber auf vier Kilometern Radweg dreimal?!
Das verbuche ich unter Mutwilligkeit, Sabotage und prangere es in allerschärfster Form an! Ständig muß ich aufpassen und deshalb langsam fahren - das zerstört mir die Bergwertung vollkommen, denn Fakt ist, daß ich jeden Schwung ausnutzen muß und nicht auch langsamfahren kann zum Gucken.
Nicht, daß ich tour-de-France-mäßig schnell genug für eine ordentliche Bergwertung wäre; aber interesant wäre doch, ob ich nur schlecht oder grottenschlecht bin. ;o)

Zu allem Überfluß "klaute" mir Freenet heute morgen noch eine Stunde, weil ich weder mein Passwort noch das LogIn finden konnte zum Abmelden. Ich hab mir das einfach nicht notiert, weil ich von denen weder Mail, SMS noch Webspace nutze, und für die Einwahl werde ich über die Telephonnummer identifiziert; da dachte ich, das reiche für eine Kündigung auch. Nach einer halben Stunde verzweifeltem Rumgeklicke rief ich bei zwei Hotlines an (eine teuerer als die andere) und bekam schließlich eine Adresse, an die ich meine Kündigung schicken durfte - so richtig mit Brief und so ... ewig nimmer gemacht, aber dennoch irgendwo eine Briefmarke und Postkasten gefunden! ;o)

Total begeistert bin ich von Ingrids Special Diary. Wenn ich an das Coming Out eines Freundes und die Reaktion seiner Eltern darauf zurückdenke ... Uffz, ich glaube, ich hätte sie zu Ingrid zum Lesen geschickt ;o)
Und wenn dann so ein bayrischer Knallfurz von Beckstein wegen der Homo-Ehe vors Verfassungsgericht eiert, krieg ich echt zuviel. "Schutz des besonderen Status der Ehe und Familie", heißt es da. Ich sehe diesen Schutz nicht gefährdet, nur weil man die Rechte von Eheleuten auf andere Gruppen ausweitet (fragt doch mal, die haben sicher nichts dagegen ... ). Und wenn Schwule und Lesben angeblich nicht heiraten sollen, weil Sinn und Zweck der Ehe Fortpflanzung ist, warum dürfen dann Leute ohne Kinderwunsch, unfruchtbare und alte Menschen heiraten?
Sehr geehrter Herr Beckstein, das hängt doch hinten und vorne ...

Uffz - schon wieder so spät?! Ich krieg die Krise ... wer hat meine Zeit gestohlen? Sofort raus damit!
Jetzt schnell noch mit den beiden Helden Lösungsansätze für unseren Problemfall Donald D. zusammensuchen ...

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12. Juli 2001

Ganz zuallererst:
Happy Birthday, Melody!

;o)

Wie verwunderlich ...
Da schreibe ich gestern über Glasscherben am Radweg, und Engelbert findet in der Zeitung etwas über Glasscherben am Spielplatz.
Das ist erstens superfies und zweitens ein seltsamer Zufall ...
Manchmal könnte ich wetten, irgendwo hockt ein kicherndes Männchen, das solche Koinzidenzen erzeugt und sich dann über mein Erstaunen schlapplacht.

Gestern haben wir unseren Donald-Fall fertigbekommen, morgen tippe ich die fertige Version nochmal sauber. Ich bin mir aber unsicher, ob ich es schaffe, in vier Stunden Prüfung den Fall (zwölf Druckerseiten) aufs Papier zu bekommen und die Fragen dazu noch zu beantworten. Werd ihn heute mal abschreiben, Zeit stoppen und dabei noch meine eingerostete Fähigkeit, von Hand zu scheiben, trainieren.
Probleme gibt´s ...
Just for the Record: Wir haben Donald D. einen Besuch bei der Schuldnerberatung, ein Praktikum bei Daniel Düsentrieb mit anschließender Umschulung und ein Anti-Gewalt-Training verordnet.

Wolfgang hat mir gestern 40 Fragen zu Kommunalpolitik geschickt, von denen der Dozent mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Großteil in der Prüfung fragen wird.
Damit hat er sich den Titel Held des Tages verdient!

Was Malorama aus dem Fitness-Studio berichtet, stärkt mein Vertrauen in solche Einrichtungen auch nicht unbedingt. Ich will nicht wo sein, wo man Geräte "Oberschenkelquetscher" oder "Vaginator" nennt, Gott bewahre!
Da klemm ich mir doch lieber die Füße unter die erste Treppenstufe und zelebriere Sit-ups für Arme.

Aber nicht jetzt - ich prügel mir besser das Material fürs Colloquium in die Birne.
Leider hänge ich noch am letzten Text fest:

In einer Reihe von Kontinuumsmodellen sozialpolitischer Bedarfsausgleichssysteme werden diese und ähnliche Dimensionierungen verwandt, um die dualistischen Modelle eines formellen versus informellen und oder professionellen versus laienhaften Bereichs zu überwinden. Die damit verbundenen schwer überwindlichen begrifflichen Probleme erlaubt die hier vorgeschriebene theoretische Perspektive ebenso zu klären wie sie eine Verbindung dieser struktur- bzw. funktionsorientieren Betrachtung mit mikrosozialen Fragestellungen ermöglicht.

Ich komme mir vor wie im Lateinunterricht, wenn ein Satz nach Subjekt, Prädikat, Objekt zerlegt werden und jedes zweite Wort nachgeschlagen werden muß.
Das nächste Mal frag ich nach Literatur auf deutsch oder englisch, denn sogar die englischen Zitate im Text verstehe ich schneller als den Text selbst.
Ach ja - es geht übrigens über Engagementförderung als multiple Netzwerkintervention.
Alles klar?

Wenn ich je herausfinden sollte, was das bedeutet, werde ich es für mich behalten, mich still freuen und im Tagebuch über schönere Dinge schreiben.

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13. Juli 2001 - Teil 1 - Mitternacht
~ 8.5 hours left before take off ~

Erfreuliches zuerst:

Da guckt man nach Post (echter, nicht e-post), hat sich gedanklich schon auf Telekomrechnung und Werbung eingestellt, und dann sowas - Kartenpost von Anne!

Anne bringt es fertig, ans Meer zu fahren und ne Kuh-Karte zu finden, das ist ja wohl der Hammer.
Was soll ich sagen ...
Kam gerade zur rechten Zeit und hab mir ein Loch ins Knie gefreut - einen dicken DANKE-KNUDDEL an Anne! *smile*

***

Von Kühen zum Kuriosen:

Dat tabu-benny fährt als waschechter Lipper in die Alpen ...
Nenene ...
(@ Frank: Pssssst, keine Lipper-Schelte anfangen - unter Tagebuchschreibern gehört sich das nicht *g*)
Die Sache mit den Kühen klingt noch recht lecker; und auch, was er über die wilden Spiele mit Geißenpeter (Heidi soll bleiben, wo der Pfeffer wächst) im Heu schreibt, hat was für sich.
Würde aber für mich noch keine Panik- und Erstickungsanfälle zwischen hohen Bergmassiven rechtfertigen.

Keine Kommentare zu seelischen Ursachen solcher Abneigungen und Anwandlungen bitte - ich fahr einfach ans Meer und gut is.

***

I was only dreaming ...

Traum heute nacht (Grund dafür wohl der gestern ausgefüllte Lotto-Zettel für Samstag):
Ich habe im Lotto gewonnen!!! Nicht Jackpot, aber doch so viel, daß ich mir alles leisten kann, was derzeit auf der Wunschliste steht und ich nicht gleich in zwei Wochen nach nem Job suchen muß.

Erschreckend:
Erster Gedanke war, daß ich den Gewinn gar nicht sofort feiern kann, weil ich nächste Woche noch Prüfungen hab.

Ist das nicht krass?!

***

Vom Träumen zum Megastress:

Donnerstag mittag:
Zum Bäcker gelaufen, Wagen des mobilen Pflegedienstes gesehen.
Erster Gedanke:
"Na, wie positioniert der sich wohl laut der welfare-mix-Theorie im Spannungsfeld von Staat, Markt und informellem Bereich?!"

So muß der komplette Wahnsinn aussehen ...

Daheim erstmal Hirn mit scharfen Nudeln saubergepustet (jaja, Engelbert - mußte sein *g*) und weitergelernt bis abends. Kopf brummt, Theorien rotieren, raus, spazierengehen und mal sehen, was von dem Zeugs noch im Kopf ist.

Ernüchternd:
Ziemlich doofes Rumgestopsel ohne Struktur, aber irgendwo im Kopf hab ich das ganz sauber gegliedert, auch die Inhalte sind alle da, ich brauch nur ewig Zeit zum Nachdenken. Flotter hab ich die Sachen wohl auch nicht parat, wenn ich noch mehr lerne.
Eine schriftliche Prüfung mit Überlegen, Vorskizzieren-Können und Durchstreichmöglichkeit hat durchaus ihre Vorteile.

Ich muß mich einfach drauf verlassen, daß ich dann - in acht Stunden - vollkommen logisch, am besten auch noch schnell denke und mich nicht ständig verhaspel (na, das dürfte nicht das Problem sein - bisher hab ich noch jeden an die Wand geredet).
Daher reicht es wohl, wenn ich das Zeugs - zwei Semester auf 20 Seiten komprimiert - vor dem Schlafengehen und am Morgen nochmal durchlese und den Vulkanier-Modus einschalte, bevor ich aus dem Haus gehe.

Die Note bekommen wir übrigens gleich im Anschluß. Ob ich das gut finde oder nicht, weiß ich in gut neun Stunden ...

Himmel - es geht hier um ein miniwinziges Colloquium, und ich mach so ein Gewese - wie soll das erst bei der vierstündigen Theorienprüfung am Montag werden?!
Ein Aufstand wegen der zwanzig Minuten, das ist ja schlimmer als beim Sex (na gut, der mag zwar noch aufregender und hoffentlich auch länger sein, aber ganz bestimmt deutlich angenehmer ... *g*)

Ich meld mich - vergeßt das Daumendrücken nicht!

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Teil 2 - Yippiejayey, ihr Schweinebacken!

Mein Konzept ist komplett aufgegangen ...

Noch gestern nacht war mir klar, daß ich einfach nicht auswendiglernen kann (wenn es nicht gerade um lustige Lieder oder schweinische Gedichte geht) und ich mir daher irgendwas anderes einfallen lassen muß. Meine Taktik war, statt ellenlange Aufzählungen von Merkmalen etc. runterzurattern, Beispiele aus der Praxis zu finden und einzubinden.
Und - um mit dem Berlin-Mann zu sprechen: Das war gut so.

Die beiden Dozenten haben auch total gut gefragt, nicht so a la "Zählen Sie die Stärken und Schwächen von Wohlfahrtsverbänden auf" sondern "Stellen Sie sich vor, sie sind ein freier Anbieter. Wie machen Sie dem Entscheidungsträger klar, daß Sie besser sind als der Wohlfahrtsverband, der sich auch auf die Ausschreibung gemeldet hat?". So richtig schön praxisorientiert - da waren meine Beispiele natürlich gerade richtig. Das Buddy-System der Aidshilfe und Franks Damenmannschaft mußten für die Verdeutlichung der Vielfältigkeit von Freiwilligenengagement herhalten ... *g*
Leider kam auch der Text, den ich gestern zitiert hab, mit dran, da fühlte ich mich doch etwas nackt im Wind, ging aber grad so.

Ach ja - ihr wollt auch die Note wissen?! Es wurde ne glatte 2!
Der eklige Text war nicht allein schuld dran, daß es keine 1 wurde, meinte der Dozent. Bin im Endeffekt auch froh drum, denn für eine 1,3 hätte es wohl so oder so nicht gereicht, und bei einer 1,7 grübelt man dann doch, was man hätte machen müssen, um noch die 1 zu bekommen ...

Und nun werd ich noch ein bißchen vor mich hingrinsen, mir die Ohren mit Musik volldröhnen lassen und mich dann aufs Material für die nächsten beiden Prüfungen stürzen ... *grmpf*

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14. Juli 2001

Örgs Nr. 1

Sahne schlagen wollen. Bemerken, daß nur noch der Schickimicki-Vanillezucker (mit echter Vanille und Rohrzucker) da ist.
Jaha, ich weiß wohl, daß Vanille normal aus schwarzen Punkten besteht.
Trotzdem. Nennt mich junk-food-verwöhnt, aber ich steh nicht auf gräuliche Sahne mit schwarzen Punkten drin.
Aber nicht hingucken beim Essen hilft.

***

Örgs Nr. 2

Kabellose Maus mit Leidenschaft nutzen und Batterie leer wenn Läden zu.
Da hilft auch das obligatorische "Ich weiß genau, ich hatte noch wo welche" nicht weiter, denn nun eier ich hier mit einer uralten Billigmaus-mit-Schnur-ohne-Scroll rum. Die liegt vielleicht öddelig in der Hand ...
Fühle mich irgendwie amputiert.
Die linke Hand schmerzt wieder, die rechte plagt sich mit unergonomischen Low-cost-Produkten.

Ich kann so nicht arbeiten!!!

An all die blauen Umweltengelchen da draußen:
Natürlich weiß ich, daß es Akkus zum Wiederaufladen gibt. Seh nur nicht ein, warum ich mir so ein Teil kaufen soll, wenn ich ab in fünf Tagen eh Franks nutzen kann.

***

Örgs Nr. 3

Hab dermaßen keine Lust auf Sozialwirtschaft, und ein kleines Teufelchen auf der Schulter flüstert mir tausend tolle Dinge ins Ohr, die man stattdessen machen könnte. Schokolade&Koffein updaten etwa. Anderer Leute Gästebücher vollschreiben. Franks Homepage bauen. Loretta softwaretechnisch reparieren (weiß eigentlich jemand, wie ich es dem Acer Note Light abgewöhne, nach einer gewissen Zeit inaktivem Touchpad von selbst zu klicken?!). Nette Mails an nette Menschen schreiben. Bei guter Musik und diversen Gläsern Wein drüber nachdenken, ob ich jemals seriös, emsig und strebsam werde.

***

Schnipsel:

Vielen vielen Dank für die Gratulierungen zur 2! Hoffentlich seid ihr nicht böse, daß meine Motivation dennoch im Keller ist (naja, ausbaden muß ich es ja ... )

Anne ist wieder da, und wenn ich das richtig verstanden hab, züchtet jetzt Muscheln und See-Igel ( <- muß einfach mit Bindestrich, zusammengeschrieben siehts recht oll aus ...)
Werd das die Tage nochmal genauer nachlesen ...

Der Franke geizt nicht mit Variationen des Relativsatzes; es gibt exact drei Möglichkeiten, aufgezeigt am Beispiel "Das ist derjenige, welcher...":
"Des is der, wo ..."
"Des is der, der ... "
"Des is der, der wo ..."

Nicht schlecht, oder?

Warum eigentlich klingt "Gefrierbrand" und "Haarbruch" in der Werbung dramatischer als "Hausbrand" und "Einbruch" in den Nachrichten?

Einst mitgehörter Dialog, soeben wieder erinnert:
A lernt B kennen.
A: Du bist also so ein Arschloch, nä?
B: (entrüstet und verwundert) Wie kommst denn darauf? Wer hat dir denn sowas gesagt?
A: Biste nich?
B: Nein, natürlich nicht!
A: Dann ist ja gut - man weiß ja nie, und daher fragt man besser mal vorher.
;o)))

Alltime favorite:
"Dank Bügelhilfe fühlt man sich wie ein geisteskranker König", weiß Max Goldt und wird wegen solcher Titel zu Recht als Held der verworrenen Prosa bezeichnet.
Zumindest von mir.

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Archiv Juli 2

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